Donnerstag, 22. Februar 2018

Das Sonnenwunder von Fatima




Ich werde mit den Kommentaren über das Sonnenwunder in Fatima am 13. Oktober 1917 fortfahren.
Wir waren an dem Punkt angekommen, an dem die Muttergottes das Gespräch mit Lucia beendet hatte.
«Sie sagte: „Ich habe nichts mehr zu sagen.“ Lucia entgegnete: „Ich habe auch nichts mehr zu sagen.“ Dann erschienen der hl. Josef, das Jesuskind und die Muttergottes. Diese erhob alsdann ihre Hände in Richtung Sonne. Von ihren heiligen Händen ging ein Licht aus, das strahlender als die Sonne war.«
Das bestätigt wieder, wie Lucia die Muttergottes beschrieb: „Sie war eine Dame, strahlender als die Sonne“.
«Dieses Licht hatte einen dermaßen strahlenden Glanz, dass es selbst das Licht Sonne verblasste. Durch dieses Lichte, das von ihren Händen ausging, berührte die Sonne und es war der spürbare Ausdruck eines Einflusses, einer Macht, die die Muttergottes auf die Sonne ausübte, um zu zeigen, dass das vorhergesagte Wunder von ihr ausging.»
Die Muttergottes hatte schon vorher gesagt, sie werde ein Beweis geben, der die Erscheinung bestätige würde. Dieses Wunder werden wir jetzt untersuchen. Vor den Augen der Seherkinder entfalteten sich drei aufeinanderfolgende vorgesagte Bilder.
«Während diese Szenen sich vor den Augen der Seher abwickelten, sah eine Menschenmenge von 50 bis 70 Tausend das Sonnenwunder.»
Eine wirklich große Zahl von Anwesenden.
«Während der ganzen Zeit der Erscheinung hatte es ununterbrochen geregnet. Als das Gespräch zwischen Lucia und der Muttergottes endete, als die Jungfrau sich gen Himmel erhob und Lucia der Menge zurief: „Schaut zur Sonne“, schoben sich die Wolken zur Seite und gaben den Blick zur Sonne frei, die wie eine große silberne Scheibe am Himmel stand.»
Es ist interessant zu bemerken, dass es während der ganzen Erscheinung geregnet hatte, denn wir werden gleich etwas Schönes sehen, das sich auf diesen Regen bezieht. Alle Ereignisse waren vorhergesehen und vorsätzlich geschehen.
«Diese Scheibe glänzte mit einer nie gesehenen Stärke, blendete aber nicht.»
All dies hat eine sehr schöne symbolische Bedeutung. Ein Glanz, der stärker war als der der Sonne; nie hatte die Sonne so stark gestrahlt. Es war aber ein Licht, das nicht blendete. Weil alles, was von Gott kommt, alles, was von der Jungfrau berührt wird, sei es auch noch so stark, hat etwas Wohltätiges in sich, was jegliche Gefahr für den Menschen ausschließt. Im Gegenteil, der Mensch empfindet es als eine Wonne, ohne jegliche Belästigung. Hier merken wir schon die übernatürliche Eigenschaft des ganzen Geschehens; wie von Gott berührt. So glänzend ist das Licht, und doch, gegen die Regeln und Gesetze der Physik, der Physiologie, blendet es nicht.
«Das dauerte nur einen Augenblick. Die immense Scheibe fing an zu „tanzen“ ...»
Das „tanzen“ steht in Anführungszeichen und ist entnommen aus den Berichten der Kinder und von Personen, die es gesehen hatten.
«... wie ein riesiger Feuerball drehte sich die Sonne in hoher Geschwindigkeit.»
So etwas ist ungewöhnlich, dass sich die Sonne in hoher Geschwindigkeit dreht.
«Für eine kurze Weile stand sie still, um sofort wieder anfangen zu kreisen.»
Das war genau, um zu beweisen, dass sie unter der Herrschaft eines Willens war, der sie zum Kreisen brachte und wieder zum Stillstand, ein Wille, der nach Gutdünken über die Sonne verfügte.
«Für eine kurze Weile stand sie still, um sich hernach schwindelerregend um sich selbst zu drehen. Dann färbte sich ihr Rand scharlachrot, und sie glitt am Himmel wie ein Strudel, der rote Feuerzungen verbreitete.»
Hier setzt sich der Anfang einer Bedrohung an. Die Scheibe wir rötlich und verbreitet Feuerzungen am Himmel. Ein Ereignis, das natürlich die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Und weiter:
«Dieses Licht spiegelte sich auf dem Boden, in den Bäumen, im Gebüsch, ja selbst auf den Gesichtern der Menschen und auf ihren Kleidern in glänzenden Tönen und verschiedenen Farben wieder.»
Was aber wahrscheinlich den Eindruck eines großen Brandes verbreitete.
«Nach dreimaliger Ausführung dieser verrückt anmutenden Bewegungen, schien die Kugel zu erzittern, sich zu schütteln, um dann im Zickzackkurs auch die schreckerfüllte Menge herabzustürzen.»
Wir vernehmen hier eine deutliche Androhung, die Androhung des Tages der Züchtigung; die Androhung einer Katastrophe; die Androhung einer vollständigen Umwälzung des Systems, in dem wir uns befinden, ausgehend von einer aus den Fugen geratenen Sonne. Sie fing an Feuer nach allen Seiten zu sprühen, und, die sie ja das Gravitationszentrum des ganzen himmlischen Systems ist, fing an wie verrückt zu tanzen. Dann droht sie auf die Menschenmenge zu stürzen. Es ist Androhung eines Kataklysmus, einer Panik, eines Schreckenzustandes, einer herabstürzenden Gefahr, was die Menschenmenge dazu führte in alle Richtungen zu flüchten.
Diese Angst und Schrecken, die die Muttergottes den dortigen Menschen durch das Sonnenwunder zufügen wollte, bezieht sich eindeutig auf das, was sie über die Strafe sagte, die über die Welt kommen würde. Es wird klar, dass es, unter anderen, auch Strafen sein werden, die die ganze Welt einbeziehen, eine Störung der natürlichen Elemente, um die die Menschen zu bestrafen. Fatima bringt somit ein gutes Fundament für eine Vorstellung, eine Theorie der Züchtigung Gottes.
Lucia fährt fort: «Dies alle dauerte etwa zehn Minuten. Schließlich kehrte die Sonne in Zickzacklinie zu ihrem Ausgangspunkt zurück und schien wieder ruhig und strahlend im gleichen Glanz wie alle Tage sonst. Der Zyklus der Erscheinungen war nun abgeschlossen.»
Dieser Zyklus wurde also beendet mit einer Drohung. Unsere Liebe Frau erklärte: Hier ist es, weihet euch, bekehrt euch. Wenn nicht, hier habt ihr die Folge gesehen. Es ist eindeutig. Mit einer Androhung hat sie alles beendet. Der Schlusspunkt war eine Warnung. Für diejenigen, die uns als Pessimisten schelten, die sagen, wir sähen überall nur Gefahren und Katastrophen, die nicht an eine Züchtigung Gottes glauben, ist die Antwort sehr einfach.
Sollte das alle nur ein Mythos sein, was bedeutet dann diese ganze Symbolik der Ereignisse von Fatima? Man kann sie nicht leugnen.
«Viele Leute stellte erstaunt fest, dass ihre vom Regen durchnässten Kleider plötzlich getrocknet waren.»
Ein weiteres Zeichen der Macht der Muttergottes.
«Das Sonnenwunder wurde auch von unzähligen Zeugen beobachtet, die sich nicht am Erscheinungsort selbst, ja sogar bis zu 40 Kilometer von diesem entfernt befanden.»
Es konnte sich also nicht um Telepathie oder Suggestion handeln. Denn wenn es auf so weiter Entfernung gesehen und miterlebt wurde, schließt sich jede Einbildung aus.
Mit diesem Wunder ist die Reihe der Erscheinungen zu Ende gegangen. Sie enden einerseits mit einem Ziel, mit dem Versprechen:
„Wenn ihr die Weihe vollzieht, werdet ihr die Bekehrung Russland und der Welt erreichen. Wenn nicht, wird Russland seine Irrtümer überall verbreiten und ihr werdet Strafen von universeller Ordnung haben.“
Nehmen wir in Betracht, was Pater Aparício, ein Jesuit, ein sehr fähiger Mann — er war jahrelang geistlicher Leiter von Sr. Lucia —, mir gesagt hat, als ich ihn in Pernambuco traf, dass die von Pius XII. vollzogene Weihe nicht den notwendigen Bedingungen entsprach, um das Versprechen der Muttergottes zu erfüllen, und wir verstehen alles, was sich danach noch ereignete.
Wir können an all die anderen Strafen denken, die uns bedrohen. Sie bilden ein einziges Ganzes. Fünfzig Jahre später erhält die Botschaft von Fatima ihre Bestätigung.
Ich habe bei einem anderen Treffen gezeigt, wie die Nachrichten der letzten Woche auf ein heftiges Wettrüsten zwischen den Vereinigten Staaten und Russland hinweisen, und sie erwähnen den Einzug einer mächtigen russischen Flotte in das Mittelmeer, teils durch die Dardanellen und den Bosporus und teils durch die Straße von Gibraltar. Diese Flotte sei in der Lage, zumindest teilweise mit der sechsten nordamerikanischen Flotte zu kontrastieren und stellt daher eine Gefahr für die europäischen Länder der Mittelmeerküste dar. Wir sehen, die Möglichkeit eines Krieges leider am Horizont aufsteigen, und wie die von der Muttergottes angekündigte Strafe sich nähert.
Was sollen wir tun? Wir müssen uns an das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen erinnern, denn wir müssen versuchen, wie die klugen Jungfrauen zu sein, das heißt, wie die Seele, die bereit ist für den Moment der großen Prüfung. Und wie bereitet man sich für den Moment der großen Prüfung?
Ich war erstaunt, als ich einmal Szenen des Bombenangriffs auf Berlin im Kino sah und dann später auch Fotos der Berliner Bevölkerung während der Bombardierung zu sehen bekam. Das war eine „Bagarre“(*). Die Stadt Berlin war gebrochen. Trotzdem, es gingen Leute durch die Straßen, Leute standen auf dem Bürgersteig, unterhielten sich, nahmen den Alltag wie gewohnt und lachten, waren sich einfach der Lage nicht bewusst, dass sie bald getötet werden konnten, entweder durch Russen oder Amerikanern und Engländern, zerschmettert unter dem Kanonenfeuer, an Hunger gestorben, oder aus irgend einem anderen Grund – sie lebten den Alltag wie immer, ohne die Traurigkeit und die Tragik der Situation begreifen zu wollen, in der sie waren.

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen während der „Bagarre“ so sterben werden. Selbst wenn die Sonne auf sie zu fallen droht, werden sie nicht wegrennen; werden weiterhin über Geschäfte reden, über rein praktische Angelegenheiten und so in die Hölle gerissen werden.
Wir sollten nicht so sein wie diese, wir sollten nicht so sein wie diejenigen, die keinen Glauben haben. Von jetzt an müssen wir in dieser Überzeugung, in dieser Erwartung leben, in der Erwartung auf diesen Besuch Gottes, der die „Bagarre“ sein wird; dieser Vernichtung, die eines der majestätischsten und tragischsten Ereignisse in der Geschichte der Welt sein wird, damit durch diese Überzeugung unsere Seele sich geistlich vorbereitet, sich von so vielen Dingen loslöst, die sie an der heutigen Welt haftet und die aber versteht, dass sie in der heutigen Welt leben muss als eine Welt, die bereits mit dem Zeichen des Todes gezeichnet wurde und die zerstört wird. Die Welt hat keine Substanz mehr, sie kommt nicht vorwärts, ihre Tage sind gezählt.
Das sollten wir der Muttergottes im Geiste von Fatima bitten. Daher unsere Zerknirschung, daher unsere Loslösung (von den Dingen der Welt), daher unsere Reue.

(*) Französisch für Krawall, hartes Ringen, Kampf, Streit, Schlägerei. Der Autor verwendete diesen Ausdruck, um die Situation zu veranschaulichen, wie man sie sich während der bevorstehenden Züchtigung Gottes, wie in Fatima vorausgesagt, vorstellen könnte: ein dramatischer Zustand der sich auf die Menschen niederschlägt, verursacht durch Krieg, Chaos und Eintritt von Naturkatastrophen.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 17. Oktober 1967.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Die Kathedra Petri




Kathedra des heiligen Petrus: ein Fest, an dem der Papst als Lehrer gefeiert wird; an dem das Papsttum gefeiert wird, im Besitz eines unfehlbaren Stuhls, mit dem es die Welt anspricht und wahrhaftig unfehlbar ist. Es ist also die Feier der Unfehlbarkeit des Papstes, durch die das Papsttum (in Glaubens- und Sittenfragen) niemals irrt.
Sie wissen, dass Papst Pius IX., der ein großer Papst war,— von dem wir eine indirekte Reliquie haben, die ein Teilchen seines Sarges ist, und dessen Heiligsprechungsprozess eingeführt wurde —, Papst Pius IX. war in der ersten Zeit seines Pontifikats eher sehr liberal. Nicht, dass er in seinen Dokumenten einen doktrinären Fehler des Liberalismus begangen hätte, aber er nahm eine Reihe von meist extrem liberalen Maßnahmen.
So wollten, im geteilten, pittoresken, vorteilhaften und effizienten Italien jener Zeit der kleinen Königreiche, Fürstentümer und freier Städte, diejenigen, die nach einer Vereinigung Italiens strebten, einen revolutionären Schlachtruf für die Straßen haben, um die Anarchisten und die Anhänger der Sekte des Mazzini zum gemeinsamen Kampf anzulocken. Zum Anlass der Wahl Pius IX. verbreiteten sie überall den Ruf, „Viva Pio IX“ (Es lebe Pius IX.). Mit diesem Ruf rekrutierten sie auf den Straßen die Lazzaroni, die Schamlosen, die Revolutionäre, Mitglieder der Mafia, der Camorra und alles andere aus dem Untergrund der Gesellschaft, für den Kampf gegen jene kleinen Throne, deren Verschwinden wir heute noch bedauern.
In dieser schwierigen Situation, in der ein Papst schließlich ein Symbol der Revolution war, lebte ein großer Heiliger, Don Bosco. Der Ruf, „Viva Pio IX“, der Revolutionäre drang auch in die Schulen des hl. Don Bosco ein. So erschall dieser Ruf der Revolte hier und da mitten im Schulhof.
Dagegen fiel Don Bosco eine Lösung ein: Er Verbot den Schülern, „Viva Pio IX“ zu rufen. Er — ein Heiliger ... — befahl ihnen, sie sollten „Viva il Papa“ (Es lebe der Papst) rufen. Es war ein souverän intelligenter Ausweg. Weil „es lebe der Papst“, sollten wir immer rufen. Nur den Umständen entsprechend sollte der Name des Papstes genannt werden. Diese Begebenheit ist im Heiligsprechungsprozess des Don Bosco registriert, und hinderte nicht ihn im Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen, und dass seine Arbeit von der Vorsehung in jeder Hinsicht gesegnet wurde.
Der Grund dieser Haltung ist eine sehr wichtige Unterscheidung: die Unterscheidung zwischen Papst und Papsttum; zwischen der Person des Papstes, die der menschlichen Barmherzigkeit unterworfen ist, aber auch Fehlern in allen Maßen unterliegt, die nicht durch die Unfehlbarkeit garantiert sind, und andererseits der Institution, die sich von der Person völlig unterscheidet. Und wenn es stimmt, dass man ab und zu ruft: Es lebe dieser oder jener, und man manchmal still bleibt, manchmal weint, aber immer betet, gibt es einen Ruf, den wir immer laut rufen sollten, und der ist: „Es lebe der Papst!“, „es lebe das Papsttum!“
Aus diesem Grund ist das Fest, das wir heute feiern, das Fest des Stuhls des hl. Petrus, der Kathedra Petri, ein äußerst zeitgemäßes Fest, denn es feiert den Papst als Lehrer, es feiert das Papsttum als Inhaber eines unfehlbaren Lehrstuhls, der sich an die Welt wendet und tatsächlich unfehlbar ist. Und deshalb ist die Unfehlbarkeit des Papstes, die Orthodoxie, sozusagen das, wodurch das Papsttum nie Irren kann. Und das ist der Gegenstand der heutigen Zeremonie.

Wir wissen, dass von dem Peterstuhl fast alles erhalten geblieben ist, und dieser Stuhl wird in der Peterskirche in Rom aufbewahrt. In der Apsis, wo die Gloria Berninis ist, befindet sich ein Bronzestuhl. Dieser Stuhl ist hohl und von Zeit zu Zeit wird er geöffnet, und ein kleiner Holzschemel gezeigt, von dem ich das Foto gesehen habe, und der als der Thron des hl. Petrus angesehen wird.
Das Fest der Kathedra Petri bezieht sich auf diesen „Thron“, es hat aber viel mehr im Sinn als diesen Thron angesichts der Tatsache, dass Rom der Sitz des hl. Petrus ist, und der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus dem Petrus einst den Charakter der Unfehlbarkeit zugeteilt hat, und der Tatsache, dass dieser unfehlbare Lehrstuhl die Heilige Apostolische und Römisch-Katholische Kirche regiert. Dies ist, was heute gefeiert wird.
Im Petersdoms gibt es im Mittelschiff eine Monument aus dunklem Material (Bronze), das den hl. Petrus als Papst darstellt mit den Schlüsseln in der Hand, auf einem Thron sitzend. Seine Füße sind genau in der Höhe des Mundes des Betrachters, so dass sie leicht mit einem Kuss verehrt werden können. Und alle Pilger, die nach Rom kommen, gehen hier vorbei und küssen den Fuß des hl. Petrus. Das Ergebnis ist, dass mit dem tausend und tausend Mal wiederholten Kuss sogar der Fuß des heiligen Petrus abgenutzt ist. Ich denke, es ist das einzige Beispiel in der Geschichte, in dem Küsse Bronze abnutzen.
Der etwas vorgerückte Fuß, der geküsst wird, ist abgenutzt und geglättet. Und was noch schöner ist, ist, dass am Fest des hl. Petrus diese Figur mit den päpstlichen Ornamenten bekleidet wird. Sie hat also eine Tiara, sie ist gekleidet, als wäre sie ein lebender Papst, um auf die großartige und offensichtliche Solidarität und Kontinuität hinzuweisen, die vom hl. Petrus bis zum Papst unserer Tage geht.
Was sollen wir heute machen? Im Geiste den Fuß dieses Bildes küssen. Das heißt, im Geiste das Papsttum, im Geiste dieses Prinzip der Weisheit oder der Unfehlbarkeit der Autorität küssen, das die katholische Kirche regiert. Und durch die Muttergottes, Unserem Herrn Jesus Christus für die Einsetzung dieser Unfehlbarkeit dieses Stuhls zu danken, der in der Tat die (tragende) Säule der Welt ist. Denn wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, wäre die Welt völlig verloren, die Kirche wäre zerbrochen und mit ihr wäre die Welt verloren, wie auch der Weg zum Himmel. Denn die Menschen würden den Weg in den Himmel nicht finden, wenn es keine unfehlbar regierende Autorität gäbe.
Doch eine Sache, an die wir uns erinnern müssen, ist folgende: Die Treue zum Stuhl ist unter allen Umständen nicht zu verwechseln mit der bedingungslosen Akzeptanz dessen, was die Person tut. Unser Herr Jesus Christus unterscheidet zwischen dem Stuhl und der Person. Obwohl der Papst der Meister selbst ist und die Macht des Stuhls in ihm wohnt, ist nicht alles in ihm Stuhl, und wir können uns die Kirche nicht vorstellen, wie sie von unserem Herrn Jesus Christus nicht gemacht wurde. Die Kirche wurde von unserem Herrn Jesus Christus auf diese Weise geschaffen.
Deshalb muss unsere höchste Treue zur Kathedra Petri wie folgt sein: Wenn ein Lehrmeister wie Pius IX. etwas tut, was die Kathedra nicht gelehrt hat, mit wem sollen wir bleiben? Mit dem Stuhl oder mit dem Lehrmeister? Mit dem Stuhl, bis zum Tod, mit der Gewissheit, dass der Stuhl nie den Meister verlässt; der Meister aber kann manchmal den Stuhl verlassen. Und deshalb kann man keine abstrakte Treue zum Papsttum haben, die keine konkrete Treue zum gegenwärtigen Papst ist, in jedem Maß, in dem er unfehlbar ist und die Macht hat, die katholische Kirche zu leiten und zu regieren.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 22. Februar 1964.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Bild: https://www.flickr.com/photos/paullew/5467740334/

Donnerstag, 15. Februar 2018

Stalins 60. Geburtstag

Plinio Corrêa de Oliveira

„Osservatore Romano“ analisiert die Expansiosntechnik des bolchevistischen Diktators

O Legionário, vom 3. März 1940, Nr. 390, 1. Seite

Die Demonstrationen in Russland und anderen Ländern, zur Feier von Stalins 60. Geburtstag (am 21.12.1939) gab dem „Osservatore Romano“ (OR) Anlass, die Technik des bolschewistischen Diktators wiederholt zu analysieren, um sich wiederum gegen seine Ansprüche in Europa zu empören.
Nachdem das Blatt an die politische Karriere Stalins erinnerte, indem es sein moralisches Porträt kommentierte – unter Hervorhebung seiner Grausamkeit, seinem Zynismus und seiner Skrupellosigkeit -, erörtert die Zeitung das Programm der russischen Expansionspolitik.
Es schreibt wörtlich:
„Es wäre falsch zu glauben, dass in der gegenwärtigen Kampagne gegen Finnland, die UdSSR die gleichen nationalistischen Gefühle hegt, die dem früheren Expansionismus der Zaren zu Grunde lagen. In den Händen Stalins ist die russische Armee nichts anderes als eine Armee im Dienst des bolschewistischen Expansionismus. Sie ist nichts anderes als der erste Kern der „revolutionären internationalen Armee“, von der Worochilow auf dem letzten Kongress der Kommunistischen Partei gesprochen hat.“
OR zitiert weiter das Telegramm, dass Hitler dem Diktator zu seinem 60. Geburtstag sandte mit den Wünschen des persönlichen Glücks und Wohlergehens des russischen Volkes.
Das Glück Stalins bedeute das totale Elend eines ganzen Volkes bedeutet, das jetzt schon seiner Freiheit und aller geistigen und zeitlichen Güter beraubt ist!

Erbärmliches und furchtbares Glück dieses Mannes, dass das Unglück für ganz Europa bedeutet!

Freitag, 2. Februar 2018

Luther dachte, er sei göttlich!


Ich verstehe nicht, wie Männer der heutigen Kirche, einschließlich der gebildetsten, gelehrtesten oder berühmtesten, die Gestalt des Häresiarchs Luther, mythologisieren, um eine ökumenische Annäherung direkt mit dem Protestantismus und indirekt mit allen Religionen, philosophischen Schulen u.a.m., zu fördern. Erkennen sie nicht die Gefahr, die uns alle am Ende dieses Weges erwartet, nämlich die weltweite Bildung eines unheimlichen Supermarktes von Religionen, Philosophien und Systemen aller Schattierungen, in dem Wahrheit und Irrtum fraktioniert, vermischt dargestellt, und in ein Wirrwarr versetzt werden? Abwesend von der Welt wäre nur, — wenn es so weit kommen könnte — die totale Wahrheit; das heißt, der lupenreine und makellose römisch-katholische apostolische Glaube.
Über Luther — dem gewissermaßen der Ausgangspunkt für dieses Streben nach dem totalen Wirrwarr zusteht— veröffentliche ich heute ein par weitere Themen, die den Geruch seiner aufrührerischen Figur in diesem Supermarkt oder vielmehr in diesem Leichenschauhaus der Religionen, Philosophien und des menschlichen Denken verbreiten.
Wie im vorigen Artikel versprochen, entnehme ich sie aus dem großartigen Werk von Pater Leonel Franca SJ, „Die Kirche, die Reformation und die Zivilisation“ (Editora Civilização Brasileira, Rio de Janeiro, 3. Aufl., 1934, 558 S.).
„Nach der Verkündigung unserer Lehre gaben die Menschen sich dem Raub, der Lüge, der Täuschung, der Schande, der Trunkenheit und allerlei Laster hin. Wir haben einen Dämon (das Papsttum) vertrieben und es kamen sieben Schlimmere.“
Ein absolut charakteristisches Element der Lehre Luthers ist die von der Rechtfertigung unabhängig der Werke. In einfachen Worten, dass die überschwänglichen Verdienste unseres Herrn Jesus Christus allein der Menschheit die ewige Errettung versichern. Demnach kann man auf dieser Erde ein Leben der Sünde führen, ohne Gewissensbisse, noch Furcht vor der Gerechtigkeit Gottes.
Die Stimme des Gewissens war für ihn nicht die der Gnade, sondern die des Teufels!
1. Deshalb schrieb er einem Freund, dass der vom Teufel belästigte Mensch von Zeit zu Zeit „mehr trinken, spielen, sich amüsieren und sogar einige Sünden aus Hass und Absicht gegen den Teufel begehen sollte, damit wir ihm nicht die Möglichkeit geben unser Gewissen mit Kleinigkeiten zu stören (...) Der ganze Dekalog muss sich in unseren Augen und in unserer Seele auslöschen, die wir vom Teufel dermaßen verfolgt und belästigt werden.“ (M. Luther, „Briefe, Sendschreiben und Bedenken“, Ed. De Wette, Berlin, 1825-1828; Franca, S. 199-200).
2. In diesem Sinne schrieb er auch: „Gott zwingt dich nur zu glauben und zu bekennen. In allen anderen Dingen lässt er dich frei und Herr darüber, zu tun, was du willst, ohne jegliche Gefahr für das Gewissen; eher ist es wahr, dass er sich an sich gar nicht drum kümmert, selbst wenn du deine Frau verlassen würdest, vor deinem Meister fliehen würdest und keiner Bindung treu seiest. Und was geht es Ihn an (Gott), wenn Du solche Dinge tust oder nicht tust?“ („Werke“, Weimar, 12. Aufl., S. 131ff.; Franca S. 446).
3. Vielleicht noch nachdrücklicher ist diese Anstiftung zur Sünde in einem Brief an Melanchthon vom 1. August 1521: „Sei ein Sünder und sündige kräftig (esto peccator et pecca fortiter), aber glaube mit noch größerer Festigkeit und freue dich in Christus, dem Überwinder der Sünde, des Todes und der Welt. Während des gegenwärtigen Lebens müssen wir sündigen. Es genügt, dass wir durch die Gnade Gottes das Lamm kennen, das die Sünden der Welt wegnimmt. Von ihm werden wir nicht durch die Sünde getrennt werden, auch wenn wir täglich Tausend Morde und Tausend Ehebrüche begehen.“ („Briefe, Sendschreiben und Bedenken”, 2. S.37; Franca S. 439)

„Luther im Wormser Reichstag“
Anton von Werner, (1843-1915), entstanden 1877
4. So zerzaust ist diese Lehre, dass Luther selbst nur schwer an sie glauben konnte: „Es gibt keine Religion auf der ganzen Erde, die diese Rechtfertigungslehre lehrt; ich selber wenn ich sie dennoch öffentlich lehre, habe ich privat große Schwierigkeit an sie zu glauben.“ (Werke, Weimar, 25, S. 330; Franca, S. 158)
5. Aber die verheerende Wirkung dieser zugestandenen unaufrichtige Predigt Luthers, erkannte er selbst: „Das Evangelium findet heute Anhänger, die überzeugt sind, dass es nichts weiter sei als eine Lehre, die dazu dient, den Bauch zu füllen und allen Launen freien Lauf zu lassen.“ (Werke, 25, Weimar, 33, S.2; Franca, S. 440)
Über seine evangelischen Gefolgsmännern sagte Luther, „sie sind sieben Mal schlechter als zuvor. Nach der Verkündigung unserer Lehre gaben die Menschen sich dem Raub, der Lüge, der Täuschung, der Schande, der Trunkenheit und allerlei Laster hin. Wir haben einen Dämon (das Papsttum) vertrieben und es kamen sieben Schlimmere.“ (Werke, Weimar, 28, S. 763; Franca S. 441)
„Nachdem wir verstanden haben, dass die guten Werke für die Rechtfertigung nicht notwendig sind, sind wir in der Praxis des Guten viel zurückhaltender und kälter geworden (...). Und wenn man heute zum alten Zustand der Dinge zurückkehren könnte, wenn die Lehre der Notwendigkeit der guten Werke zum Heilig werden wiederbelebt würde, eine andere wäre unsere Bereitwilligkeit und Bereitschaft, Gutes zu tun“. (Werke, Weimar, 27, S. 443; Franca, S. 441)
6. All diese Geistesverwirrungen erklären, dass Luther zur Raserei des satanischen Stolzes kam und von sich selbst sagte: „Scheint euch dieser Luther nicht ein extravaganter Mensch zu sein? Was mich betrifft, denke ich, dass er Gott ist. Wie sonst hätten seine Schriften und sein Name die Macht, Bettler zu Königen zu machen, Esel zu Ärzten, Fälscher zu Heiligen, Schlamm zu Perlen!“ (Werke, Ed. Wittenberg, 1551, 4, S. 378; Franca S. 190)
7. Zu anderen Zeiten war Luthers Selbstverständnis viel objektiver: „Ich bin ein Mann, der in der Gesellschaft exponiert und involviert ist, im Lotterleben, in fleischlichen Bewegungen, in Vernachlässigung und in anderen Krankheiten, zu denen sich die meiner eigenen Aufgaben hinzufügen“ („Briefe, Sendschreiben und Bedenken“, 1., S.232; Franca, S. 198). Nachdem Luther 1521 in Worms exkommuniziert wurde, ergab er sich dem Müßiggang und der Trägheit. Am 13. Juli schrieb er an einen anderen protestantischen Führer, Melanchthon: „Ich finde mich hier, töricht und verhärtet, im Müßiggang versunken, oh Schmerz!, ich bete wenig und höre auf, für die Kirche Gottes zu jammern, weil ich in meinem widerspenstigen Fleisch brenne unter großen Flammen. Kurz gesagt, ich, der ich den Eifer des Geistes haben muss, habe den Eifer des Fleisches, der Lüsternheit, der Faulheit, des Müßiggangs und der Schläfrigkeit.“ (Briefe, Sendscheiben und Bedenken, 2., p. 22; Franca, S. 198).
In einer Predigt von 1532: „Was mich angeht, so gestehe ich — und viele andere könnten zweifellos ein gleiches Bekenntnis ablegen - dass ich schlampig in der Disziplin wie im Eifer bin, bin jetzt viel nachlässiger als unter dem Papsttum; niemand hat jetzt für das Evangelium den Eifer, den man früher gesehen hatte.“ (Sämtliche Werke, 17. S.353; Franca, S. 441)


Was für Gemeinsamkeiten können wir zwischen dieser Moral und der der Heiligen Römisch-Katholischen Apostolischen Kirche finden?

“Folha de S. Paulo”, 10.1.1984

Luther: Nein und nein!


1974 hatte ich die Ehre, der erste Unterzeichner eines Manifests zu sein, das in den wichtigsten Tageszeitungen Brasiliens veröffentlicht und in fast allen Ländern, in denen die damals elf TFPs existierten, ebenfalls abgedruckt wurde. Es trug dir Überschrift: „Die Entspannungspolitik des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen — Für die TFP: Sich zurückhalten? Oder widerstehen?“ (s. „Folha de S. Paulo“, 4.4.1974).

Darin erklärten die TFP-Vereine ihre respektvolle Meinungsverschiedenheit zur Paul’s VI. geführten „Ostpolitik“ und gaben ausführlich ihre Gründe an. Alles war — nebenbei gesagt — so übereinstimmend mit dem Lehramt der Kirche dargelegt, dass von niemandem Einwände erhoben wurden.

Um gleichzeitig ihre ganze Verehrung zum Papsttum und die Entschiedenheit, mit der sie ihren Widerstand zur „Ostpolitik“ des Vatikans in einem Satz zusammenzufassend zu unterstreichen, erklärten die TFPs dem Papst: „Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns was Ihr wollt. Befehlt uns nur nicht, dass wir vor dem roten Wolf, der da angreift, die Arme verschränken. Dem widersetzt sich unser Gewissen.“

Ich erinnerte mich mit besonderer Traurigkeit an diesen Satz, als ich den Brief von Johannes Paul II. an Kardinal Willebrands (s. L'Osservatore Romano, 6-11-83) zum fünfhundertsten Geburtstag Martin Luthers las, den er am 31. Oktober geschrieben hatte, am Jahrestag des ersten Aktes der Rebellion des Heresiarchen in der Kirche des Schlosses zu Wittenberg. Der Brief ist so voller Güte und Milde durchtränkt, daß ich mich fragte, ob der Hohe Unterzeichner die schrecklichen Lästerungen vergessen hatte, die der abtrünnige Mönch gegen Gott, Jesus Christus, den Sohn Gottes, das Allerheiligste Sakrament, die Jungfrau Maria und das Papsttum selbst gerichtet hatte.
Luther verbrennt die päpstliche Bulle
auf einem Platz in Wittenberg im Jahr 1520
Karl Aspelin (1857-1922)

Sicher ist, dass er sie nicht ignorieren konnte, denn sie sind für jeden gebildeten Katholiken in Büchern von gutem Karat erreichbar, die heute noch nicht schwer zu bekommen sind.

Ich denke an zwei von ihnen. Eines, national, ist „Die Kirche, die Reformation und die Zivilisation“, des großen Jesuiten P. Leonel Franca. Über das Buch und den Autor lässt sich durch offizielles Schweigen der Staub der Zeit nieder.

Das andere Buch stammt von einem der bekanntesten französischen Historiker dieses Jahrhunderts, Franz Funck-Brentano, Mitglied des Institut de France, und außerdem ein unverdächtiger Protestant.

Lassen Sie uns zunächst Texte aus dessen Werk „Luther“ (Grasset, Paris, 1934, 7. Aufl., 352 S.) zitieren. Und gehen wir sofort zu dieser namenlosen Gotteslästerung: „Christus“, sagt Luther, „hat zum ersten Mal Ehebruch mit der Frau am Brunnens begangen, von der Johannes spricht. Murmelte man nicht über ihn: „Was hat er mit ihr gemacht?“ Dann mit Magdalena, dann mit der Ehebrecherin, die er so leichtfertig freisprach. So mußte der fromme Christus vor seinem Tod auch huren.“ („Tischgespräche“, Nr. 1472, Weimarer Ausgabe, 2, 107).

Nachdem man so etwas gelesen hat, überrascht es einen nicht, dass Luther meint — wie Funck-Brentano darauf hinweist — dass „Gott sicher groß und mächtig, gut und barmherzig ist (...) aber er ist sehr dumm — „Deus est stultissimus“ („Tischgespräche“, Nr. 963, Weimarer Ausgabe 1, 487). „Er ist ein Tyrann. Moses musste nach seinem Willen handeln, als sein Statthalter, als ein Henker, den niemand übertraf, nicht einmal gleichkam wie er die arme Welt erschreckte, terrorisierte und durchs Martyrium führte“ (ebd. S. 230).

Dies steht in strikter Übereinstimmung mit dieser anderen Gotteslästerung, die Gott verantwortlich macht für den Verrat des Judas und für das Aufbegehren Adams: „Luther“, kommentiert Funck-Brentano, „geht so weit, zu behaupten, dass Judas mit dem Verrat Christi nach einer herrischen Entscheidung des Allmächtigen handelte. Sein Wille (des Judas) wurde von Gott gesteuert: Gott bewegte ihn in seiner Allmacht. Adam selbst war im irdischen Paradies gezwungen, so zu handeln, wie er handelte. Er wurde von Gott in solch einer Situation gestellt, dass es unmöglich für ihn war, nicht zu fallen“ (ebd., S. 246).

Ganz im Zusammenhang mit dieser abscheulichen Folge von Lästerungen nannte ein Pamphlet von Luther mit dem Titel „Gegen das vom Teufel gegründete römische Pontifikat“ vom März 1545 den Papst, nicht wie gewohnt „Heiligster (Vater)“, sondern „höllischster“, und fügte hinzu, dass das Papsttum sich immer Blutrünstig gezeigt habe (vgl. ebd. SS. 337-338).

Kein Wunder, dass Luther von solchen Gedanken getrieben an Melanchthon über die blutigen Verfolgungen Heinrichs VIII. gegen die Katholiken Englands geschrieben hat: „Es ist legitim, in Zorn zu geraten, wenn man weiß, was für Verräter, Diebe und Mörder die Päpste, ihre Kardinäle und ihre Gesandten sind. Wenn es doch Gott gefallen würde, dass mehrere Könige von England sich bemühen würden, sie auszurotten“ (ebd., S. 254).

Deshalb rief er auch aus: „Genug der Worte: (jetzt) das Eisen! das Feuer!“ Und er fügte hinzu: „Wir bestrafen Diebe mit dem Schwert, warum sollten wir den Papst, die Kardinäle und die ganze Bande des römischen Sodom nicht ergreifen und unsere Hände in ihrem Blut waschen?“ (ebd. S. 104).

Dieser Hass begleitete Luther bis ans Ende seines Lebens. Funck-Brentano schreibt: „Seine letzte öffentliche Predigt in Wittenberg war am 17. Januar 1546; es war der letzte Schrei eines Fluches gegen den Papst, das hl Messopfer, die Verehrung der Jungfrau“ (ebd., S. 340).

Kein Wunder, dass große Verfolger der Kirche sein Andenken gefeiert haben. So „ließ Hitler den 31. Oktober 1517 zum Nationalfeiertag  in Deutschland erklären, den Tag, an dem der rebellische Augustinerpater an den Türen der Wittenberger Schlosskirche die berühmten 95 Thesen gegen die Vorherrschaft des Papstes und der päpstlichen Lehren anbrachte“ (ebd. S. 272).

Und trotz des ganzen offiziellen Atheismus des kommunistischen Regimes übernahm Dr. Erich Honnecker, Vorsitzender des Staatsrats und des Verteidigungsrates, der erste Mann der Deutschen Demokratischen Republik, die Führung des Komitees, das mitten im roten Deutschland, in jenem Jahr Luthers großspurige Feiern organisiert (siehe „Deutsche Kommentare“, Osnabrück, Westdeutschland, April 1983).

Daß der abtrünnige Mönch solche Gefühle in einem Nazi-Führer erregt hat, wie jüngst im kommunistischen Führer, ist nichts weiter als natürlich.

Doch nichts ist beunruhigender und sogar schwindelerregender als das jüngste Gedenken an den fünfhundertsten Geburtstag Luthers in einem verwahrlosten protestantischen Tempel in Rom am 11. dieses Monats.
An diesem festlichen Akt der Liebe und Bewunderung in Gedenken an den Heresiarchen nahm der Prälat teil, den dass das Konklave 1978 zum Papst gewählt hatte. Ihm stünde folglich die Aufgabe zu, die heiligen Namen Gottes und Jesu Christi, die Heilige Messe, die Heilige Eucharistie und das Papsttum gegen Häresiarchen und Ketzer zu verteidigen!

„Schwindelerregend, schrecklich“, stöhnte mein katholisches Herz zu diesem Ereignis. Welches jedoch im Glauben und in der Verehrung des Papsttums verdoppelt zunahm.

Im nächsten Artikel bleibt mir übrig „Die Kirche, die Reformation und die Zivilisation“ des großen P. Leonel Franca SJ vorzustellen.


„Folha de São Paulo“ vom 27.12.1983

Donnerstag, 1. Februar 2018

Muttergottes von der immerwährenden Hilfe




Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe ist eines dieser Themen, über die es viel zu sagen gibt und gleichzeitig es wenig zu sagen gibt. Es gibt wenig zu dieser Anrufung zu sagen, denn was die Muttergottes von der immerwährenden Hilfe betrifft, so weiß ich doch, dass es eine Ikone der Ostkirche, auf einem goldenen Hintergrund, wie es für orientalische Gemälde typisch ist, mit etwas von einer Starre und Unbeweglichkeit, die das noch vom orientalischen Stil beeinflusste Gemälde charakterisiert, und eine Verehrung, die, wenn ich mich nicht irre, im Süden Italiens geboren wurde, wo genau der Einfluss der Ostkirche sehr groß war, sodass es bis heute auf der Insel Sizilien, eine oder zwei römisch-katholische Diözesen gibt des griechischen Ritus, als Folge des griechischen Einflusses auf der Insel Sizilien.
Diese Verehrung verbreitete sich in der ganzen Welt und wurde aus einer Reihe von historischen und konkreten Gründen zur besonderen Anrufung der Kongregation der Redemptoristen. Sie ist, wie wir wissen, Gegenstand der Verbreitung einer ungeheuren Anzahl von Gnaden innerhalb der Kirche, und mit unzähligen Begünstigungen, Schutzzuweisungen und Ablässen von der Kirche ausgestattet worden.
Wir wollen hier etwas über den Titel der Immerwährenden Hilfe sagen, mit dem die Gottesmutter in dieser Andacht verehrt werden wollte und die sich von den vielen anderen Titeln unterscheidet, unter denen sie verehrt wird.
Aber ich möchte zunächst einmal darauf hinweisen, dass dieser Titel mit anderen Formen übereinstimmt, mit anderen Aspekten und mit anderen Titeln, die dieselbe Idee hervorrufen. Zum Beispiel, Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe (perpétuo socorro) (*) und Unsere Liebe Frau Hilfe der Christen (auxiliadora) und Unserer Lieben Frau von Amparo (Schutz, Beistand): wer schützt, hilft, wer beisteht, schützt und hilft in gewisser Weise. Das heißt, diese Anrufungen, unterscheiden sich, weil sie an verschiedenen Orten aufgekommen sind, weil sie den Gläubigen in verschiedenen Anlässen und Umständen empfohlen worden sind, gedenken jedoch Mal die Hilfsbereitschaft der Muttergottes in den Ereignissen des täglichen Lebens, sei es in Angelegenheiten des geistlichen oder des weltlichen Lebens, oder in Ereignissen, die das Schicksal von Einzelpersonen, oder von Familien, Staaten, der Heiligen Kirche, Seelenfamilien betreffen, den Interessen der ultramontanen Sache oder die Sorge, die Häufigkeit, die Güte, die Nachsicht, mit der Sie eingreift, um denen zu helfen, die sie anrufen.
Dieser Begriff jedoch, der vielen Anrufungen gemein ist, hat in der Anrufung der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe ein eigenes Element. Es ist das Wort „immerwährende“. Bei Unserer Lieben Frau Hilfe der Christen, sagt man nicht Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe der Christen, wie man auch nicht sagt Unsere Liebe Frau vom immerwährenden Schutz oder Beistand (Amparo). Deshalb ist das, was man in dieser Anrufung der Muttergottes besonders ehrt, nicht, dass Sie sehr oft mit großer Freigebigkeit und großer Zärtlichkeit den Menschen hilft, aber es ist die Tatsache, dass diese Hilfe dauerhaft, immerwährend ist. Die Dauerhaftigkeit dieser Hilfe ist worauf der Akzent dieser Anrufung gesetzt wird.
Warum aber die Dauerhaftigkeit dieser Hilfe? Denn wenn Hilfe etwas sehr wertvolles ist, besonders wenn sie von der Königin des Himmels und der Erde kommt, die alles kann, weil sie „die Allmächtig-Bittende“ genannt wurde — diejenige, die durch den Wert ihrer Bitten alles erreicht — wenn diese Hilfe der Muttergottes so wertvoll ist, so ist auf der anderen Seite das Schönste die Tatsache, dass sie immerwährend ist. Stellen wir uns einen Bettler vor, einen Elenden, einen Aussätzigen. Doch diese Person erhält zum Beispiel die Gnade einer Königin. Nehmen wir an, er ist ein Elender aus England, und Königin Elisabeth II. bemitleidet ihn und hilft ihm von Zeit zu Zeit. Wir mögen begeistert sein von der Herablassung der Königin, sich dem demütigsten und erbärmlichsten ihrer Untertanen zuzuwenden und von Zeit zu Zeit von der Höhe ihres Thrones etwas ihrem Untertan zukommen zu lassen. Wir können uns über ihre Gefälligkeit freuen, wir können uns freuen über das Glück dieses Untertanen, wenn ihm diese unerwartete und unverdiente Gnade zukommt, und wir können dann die Herrlichkeit der Königin singen.
Es bleibt aber immer die Frage: Eine solche freiwillige Hilfe, eine von einer solchen Freigebigkeit geleistete Hilfe für jemanden, der es nicht verdient, wird diese Hilfe nicht einmal aufhören? Wird es nicht zu einem Missbrauch dieser Hilfe kommen? Ein Zeitpunkt kommen, in dem der Beschenkte so vieles und derartiges getan hat, dass ihm nicht mehr geholfen wird? Das heißt, die Hilfe wird ständig von der Möglichkeit ihrer Einstellung überschattet. Wird nicht eine Zeit kommen, in der die Königin mit anderen Dingen beschäftigt, den Elenden vergessen wird? Wird nicht ein Moment kommen, in dem sie, erschöpft von so vielem Geben, sagt: — „Ich habe diesem Mann so viel gegeben und er hat nie seine Lebensweise zum besseren geändert. Ich werde jetzt aufhören zu geben!“? Wird es einen Moment geben, in dem die Königin sagt: „Schließlich habe ich viele, die mich um Hilfe bitten. Dem hier habe ich nun genug gegeben. Jetzt werde ich es jemand anderem geben!“?
Könnte es nicht zu einer Situation kommen, in der die Königin ihre Hilfe schicken will, erfährt aber, dass der Arme in einem Boot in den Meeren zwischen Schottland und dem Nordpol kreuzt, und sie entscheidet, ihm die Hilfe nicht zu senden, weil er sich an entferntem Ort befindet, und schon zuviel Falsches gemacht hat, sich sogar in diesen Entfernungen herumtreibt? „Wäre es vielleicht nicht möglich“, wird die Königin sagen, „einen Hubschrauber der königlichen Marine zu schicken, um diesen Mann zu holen, und ihn sicher in ein Haus unterzubringen?“ Und wenn dieser Mann zum Beispiel etwas gegen die Königin selbst getan hätte? Wenn er das Unglück hätte, sie anzukämpfen, wenn er zum Beispiel, die Königin verleumden würde? Würde die Königin nicht sagen, dass er die Maße überschritten hat und jetzt hat sie nichts mehr mit ihm zu tun? Das heißt, wir könnten über tausend Umstände nachdenken, in denen diese Unterstützung aufhören würde und wegen derer sich die Königin um diesen Elenden nicht mehr kümmern würde.
Genau so ist die Muttergottes uns gegenüber nicht. Die Ausdauer Ihrer Hilfe weist ausdrücklich auf das Gegenteil hin. Egal wie schlecht wir handeln, egal wie wir sie missbrauchen, egal wie unglaublich unsere Undankbarkeit ist, je größer das Risiko ist, je außergewöhnlicher das Wunder auch sein mag, um das wir bitten müssen, so extrem, so unwahrscheinlich es auch sein mag, um was wir bitten müssen, solange es nichts Schlechtes an sich ist, ist die Muttergottes die Mutter der immerwährenden Hilfe. Das heißt, die Mutter, die sich geehrt fühlt, immer anzuhören, immer zu Hilfe kommen, immer aufzunehmen, so dass es keine mögliche Gelegenheit gibt, in der wir zu ihr beten, nicht angehört und geholfen werden.
Natürlich behält sie sich vor, uns unter bestimmten Umständen, nicht zu gewähren, was wir verlangen. Aber nicht geben ist nur eine Art zu sagen, denn sie kann den Moment, in dem sie uns gewähren wird, um was wir bitten, hinauszögern, aber diese Verzögerung bedeutet, uns dann das Hundertfache von dem zu geben, um was wir gebeten haben. Selig sind diejenigen, bei denen die Muttergottes sich verspätet. Sie kommt mit vervielfachten Geschenken in ihren Händen. Es kann auch sein, dass die Muttergottes nicht die Gnade gibt, um die wir bitten, aber am Ende gibt sie andere Gnaden, die viel wertvoller sind als die, um die wir gebeten haben.

(*) Im Portugiesischen gibt es verschiedene Wörter um Hilfe zu bezeichnen: socorro (in Lebensgefahr), auxílio, ajuda (Hilfe), amparo (Schutz, Beistand)

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages” im Jahr 1964 (der Tag ist in der Originalabschrift nicht angegeben).


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, die vom Urheber nicht revidiert worden ist.

Dienstag, 30. Januar 2018

Die TFPs des amerikanischen Kontinents richten sich an den „Amerika-Gipfel“ 1994

Inserat in “Folha de S. Paulo”, am 9. Dezember 1994

An die in Miami versammelten Teilnehmer des „Amerika-Gipfels“ vom 9. bis 11. Dezember (1994)
Die (drei) Amerikas auf dem Weg ins 3. Jahrtausend:
Überzeugungen, Befürchtungen und Hoffnungen der TFPs für den Amerikanischen Kontinent
Zum Anlass des stattfindenden Amerika-Gipfels, auf dem sich die Staatsoberhäupter des amerikanischen Kontinents treffen – mit der berechtigten Ausnahme Kubas – erachten es die „Gesellschaften zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum“ (TFP) der drei Amerikas für angebracht eine gemeinsame Erklärung zu veröffentlichen, in der sie ihre Überzeugungen, Befürchtungen und Hoffnungen bezüglich der Gegenwart und der Zukunft dieses Kontinents kundtun.
Die TFPs bilden einen weltweiten Zusammenschluss von verbrüderten, selbständigen Vereinen in fünf Kontinenten der Erde. Ihre Gedanken und Tätigkeiten sind begründet auf die überlieferte Soziallehre der katholischen Kirche. Gründer der brasilianischen TFP und Anreger der TFPs in den anderen Ländern ist der brasilianische Denker und Mann der Tat Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, der in mehr als sechs Jahrzehnten seines unbeanstandenen öffentlichen Lebens die vielfachen Auswirkungen der antichristlichen Revolution in der heutigen Gesellschaft auf intellektueller Ebene bekämpft.
So haben diese Organisationen ihre Tätigkeiten ausgerichtet gegen den Kommunismus, die Linken in der Kirche, gegen die sozialistischen und konfiszierenden Strukturreformen und gegen die neuen Formen der post-kommunistischen Kulturrevolution, wie auch gegen die „Kerenskys“, das heißt, die Politiker der Mitte, die den Weg für eine antichristliche Revolution vorbereiten.
Die Wirksamkeit des ideologischen Kampfes der TFPs wird von Sympathisanten und Gegnern zugegeben. Mehr als 500 veröffentlichte Bücher auf der ganzen Welt – viele von renommierten geisteswissenschaftlerischen Autoren – dokumentieren die Pionierarbeit von Prof. de Oliveira in der Entlarvung des Progressismus in der Kirche seit den 1930er Jahren bis in unsere Tage, wie auch die entscheidende Rolle der TFPs wichtige latein-amerikanische Länder vor dem Fall in die Klauen des Kommunismus verhindert zu haben.
Die 26 TFP-Gesellschaften und Büros weltweit engagieren sich seit 1993 in der Verbreitung des jüngsten Werkes von Prof. de Oliveira „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und an den Adel von Rom“. Zur gleichen Zeit in fünf Sprachen (Portugiesisch, Spanisch, Englisch, Französisch und Italienisch) herausgegeben, erhielt dieses Buch Lobesbriefe von drei Kardinälen der römischen Kurie, sowie von weltberühmten Theologen und Historikern. In einem positiven Programm bietet der Autor die Mittel an, um den unzähligen Ursachen des Zerfalls und des Chaos der gegenwärtigen Gesellschaft entgegenzutreten; und richtet ein Appell an die traditionellen Eliten, sie mögen ihrer historischen Berufung nachkommen für die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation.
Dieses authentische Kapital von Glaubwürdigkeit berechtigt die TFP-Gesellschaften Ihnen die folgende Agenda der kontinentalen Probleme vorzulegen, ohne deren angemessene Lösung die legitimen Wünsche nach Eintracht und Fortschritt aller Regierenden und Regierten dieses Kontinents Gefahr laufen, zu scheitern. Es würde bedeuten „ein Haus auf Sand bauen, ohne festen Grund“, von dem das Evangelium spricht, „als der Strom dagegen brandete, stürzte es sogleich ein, und der Zusammenbruch jenes Hauses war gewaltig.“ (Lk 6,49)
Die besagte Agenda aus der Feder von Prof. Plinio Correa de Oliveira, Präsident des Nationalrates der brasilianischen TFP, wurde unterzeichnet von der brasilianischen TFP und den TFP-Gesellschatften des amerikanischen Kontinents.
Paulo Corrêa de Brito Filho
Pressesprecher der Brasilianischen Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum – TFP
   
   
Agenda der Probleme des amerikanischen Kontinents
Die TFPs der drei Amerikas
I – bekunden ihre Sorge
    * über die rätselhafte Gleichgültigkeit, Trägheit und sogar um die Komplizenschaft gewisser politischer, intellektueller, kirchlicher und wirtschaftlicher Kreise des Kontinents gegenüber den gescheiterten kommunistischen Regime auf der ehemaligen „Perle der Antillen“ und ihres alten Anregers und Führers Fidel Castro;
    * über die ungehörige Zweierleimaß-Politik vieler Organismen und Regierungen der Region gegenüber den Regimes von Haiti und Kuba: Sie trafen diplomatische Maßnahmen von höchster Strenge gegen das erste, während sie gegenüber dem zweiten schon Jahrzehnte lang liberale und einschließlich schmeichlerische Konzessionen einräumen;
    * über der geschickt durchgeführten Metamorphose unzähliger Figuren der extremen Linke nach dem Fall der Berliner Mauer: ohne ihrer Vergangenheit und ihrer egalitären Ziele abzuschwören, aber lediglich das Etikett und Aktionsweise zu verändern, sind sie zu wichtigen politischen Positionen unter der neuen Situation aufgestiegen;
    * über den Gebrauch der politischen Macht dieser Figuren, um eine wahre Kulturrevolution voranzutreiben, die die gesunden Reaktionen in der öffentlichen Meinung lahmlegt und zugleich radikale Angriffe gegen die grundsätzlichen Prinzipien der christlichen Zivilisation vorzunehmen;
    * über das Zerstörungspotential und die Auslösekraft eines sozial-ökonomischen Chaos der Lateinamerikanischen mit internationalen Verbindungen ausgestatteten Terror- und Guerillagruppen;
    * über die andauernde Krise, die auf geistiger Ebene die heilige, katholische, apostolische, römische Kirche befällt – mit unvermeidlichen Folgen in der weltlichen Ordnung – und dem gleichzeitigen Fortschreiten der sogenannten „christlichen“ Sekten, animistischen Religionen und sogar satanischen Bewegungen;

II – beklagen
    * die Arroganz, mit der die homosexuellen Bewegungen in etlichen amerikanischen Ländern ihre den Geboten Gottes und der natürlichen Ordnung widrigen angeblichen Rechte beanspruchen;
    * der unfassliche Druck einiger internationaler Organismen und gesellschaftlicher Sektoren etlicher Länder des Kontinents für die Legalisierung der Abtreibung und der Geburtenkontrolle (vgl. Kairoer-Konferenz), der Ehescheidung, des Konkubinats, der Euthanasie und anderer Maßnahmen, die zur Zerstörung der Familie führen;
    * die wissenschaftlichen Versuche der genetischen Manipulation, die menschliche Embryonen miteinbeziehen, im krassen Widerspruch zu den elementarsten Prinzipien der Religion und der Ethik;
    * die Zunahme des Handels und Konsums von Drogen und die Versuche den Konsum straffrei zu machen;
    * die ominöse Beteiligung wichtiger Medien in der Verbreitung von Gegenwerten, die die christliche Zivilisation und Kultur bis aus ihre Grundlagen zerstört.

III - bekunden scharfe Vorbehalte
     * mit welcher Überstürzung einige politischen Bereiche den Prozess der Länderintegration vorantreiben wollen mit Geschwindigkeiten und Bedingungen, die in der Praxis die notwendigen nationalen Grenzen, die eigentümlichen Eigenschaften der jeweiligen Länder und selbst ihre eigene Souveränität abnutzen, wenn nicht auflösen werden;
     * angesichts das diese Sektoren sehr fraglichen Ergebnisse ähnlicher Erfahrungen nicht zur Kenntnis nehmen, wie der Vertrag von Maastricht in Europa, der von Millionen von Europäern in Frage gestellt wird;
     * zu den überzogenen Erwartungen und selbst einer wahren Faszination, die von den Medien im Geist der Massen erweckt wird bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung, die als ein Allheilmittel für alle Probleme unserer Zeit dargestellt wird; dem gegenüber wird die tiefe geistige und moralische Krise, die zunehmend das soziale Gefüge in ganz Amerika betrifft, in den Hintergrund gedrängt;
     * zu den hektischen Hoffnungen, mit denen einige die Entstehung einer kybernetischen pseudo-Zivilisation erwarten, ohne alle Risiken, noch die gravierenden Nachteile psychologischer, moralischer und kultureller Veränderungen zu bewerten, die sie mit sich bringen wird;
     * angesichts des wachsenden Einflusses den bestimmte Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) in politischen, sozialen und wirtschaftlichen Angelegenheiten ausüben, von denen viele deutlich revolutionäre Programme (z.B. Forderungen nach einer rückschrittlichen und der christlichen Kultur und Zivilisation widrige naturvölkische Lebensweise) wie es bei der ECO-92 in Rio de Janeiro offen gefordert wurde; und zur massiven internationalen Finanzierung, die solche NGOs erhalten;
     * zum Prozess der wirtschaftlichen Strangulation und der Verschrottung der edlen Streitkräfte dieses Weltteils, auf der illusorischen Grundlage von neuen nationalen und internationalen Realitäten;
     * zu denen, die einige Streitkräfte beschuldigen, die Menschenrechte von Guerilleros verletzt zu haben, während sie die begangenen Verbrechen dieser Guerillas auf verdächtige Weise verschweigen, Verbrechen die auch weiterhin in wichtigen Ländern wie Kolumbien und Peru, gegen städtische und ländliche Bevölkerung begangen werden.

IV – appellieren
    * an die Teilnehmer des Gipfels in Miami, dass sie diese und andere heikle und dringenden Themen der interamerikanischen Wirklichkeit tiefgründig, ohne Furcht vor Meinungsverschiedenheiten und fruchtbaren Diskussionen angehen;
    * an die Leiter des Miami Gipfels, dass sie wirksame Lösungen für diese Probleme vorlegen, im Einklang mit den christlichen Traditionen des Kontinents, um so die berechtigten Wünsche der öffentlichen Meinung der drei Teile des Amerikanischen Kontinents zu interpretieren;
    * an die Teilnehmer des Miami-Gipfels, dass sie mit der erforderlichen Dringlichkeit, politische, wirtschaftliche und medienwirksame Maßnahmen treffen, um die sofortige Normalisierung der Lage der kubanischen Bevölkerung zu ermöglichen.

V – sehen mit Hoffnung
    * die gesunde Ablehnung - vor allem an der Basis der Bevölkerung - mehrerer Formen einer aufkommenden anti-christliche Revolution in erheblichen Teilen der interamerikanischen öffentlichen Meinung;
    * die berechtigten und wachsenden Verdächtigungen dieser Teile der kontinentalen Meinung gegenüber die Vorgehensweise gewisser Medien - vor allem des Fernsehens -, als Träger einer aggressiven Unmoral, die sich besonders schädlich auf Kinder und Jugendliche auswirkt;
    * das Scheitern der Wahl offensichtlicher linker Präsidentschaftskandidaten in Ländern wie Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Peru, Argentinien und El Salvador;
    * die totale Unglaubwürdigkeit, selbst in den bescheidenen Bevölkerungsgruppen, gegenüber der sogenannten „Befreiungstheologie“ und der von dieser inspirierten kirchlichen Basisgemeinden (CEBs);
    * die Abschwächung der egalitären ideologischen Besessenheit, die die westliche Mentalität zugunsten des Sozialismus und Kommunismus seit Jahrzehnten durchdrungen hat;
    * die hervorragenden Perspektiven der Zusammenarbeit von Lateinamerika mit den Vereinigten Staaten und Kanada auf feste christliche Grundlagen, die sich mit den hier beschriebenen Phänomenen eröffnen.

    Abschließend
    Die TFPs des Amerikanischen Kontinents
    * bekräftigen ihre tiefer Überzeugung, dass, wenn die Menschen sich entschließen mit der Gnade Gottes mitzuwirken, erzeugt der Verlauf der Geschichte Wunderwerke: das ist die Lektion, die uns das Europa des frühen und des Hochmittelalters erteilt, das es von den herabgekommenen lateinischen Völkern und den Horden der barbarischen Völkerwanderung einen unter allen Gesichtspunkten nie dagewesenen religiösen, kulturellen und wirtschaftlichen Höhepunkt erreicht hat;
    * bekunden hier ihre Gewissheit, dass jenseits der moralischen Stürmen, der materiellen Schwierigkeiten und Hinterhalte aller Art, die auf diesem Kontinent von den Feinden der Kirche und der christlichen Zivilisation vorbereitet werden, wird es in Nord- und Südamerika ein Aufstieg des Christentums geben, im Sinne von dem, was Unsere Liebe Frau in Fatima im Jahr 1917 vorhergesagt hat, als sie verkündete: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“
São Paulo, den 6. Dezember 1994
Plinio Corrêa de Oliveira
Präsident des Nationalrates der
Brasilianischen Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum - TFP


Diese Erklärung wird auch unterzeichnet von den Präsidenten der Gesellschaften zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum – TFPs von Argentinien, Bolivien, Chile, Costa Rica, Ecuador, Kanada, Kolumbien, Paraguay, Peru, Uruguay, USA und Venezuela.