Samstag, 14. April 2018

„O LEGIONÁRIO“ (*) – Verkünder der Nächstenliebe



Eine Tatsache von größter Wichtigkeit in der Orientierung des „Legionário“ ist einer kleinen Anzahl seiner Leser, wenn nicht unbemerkt vorübergegangen, zumindest aber missverstanden worden. Denn dieses Blatt, obwohl es ein leidenschaftlicher und bedingungsloser Paladin der vollen Wahrheit — das heißt der katholischen Kirche — ist, widmet es sich doch vorzugsweise dem Dienst an bestimmten Wahrheiten, denen in besonderer Weise seine Hingabe gilt.
Es ist ein elementarer Grundsatz der Gerechtigkeit, dass kein Angeklagter ohne die Unterstützung eines Rechtsanwalts vor dem Richterstuhl erscheinen darf, der seine mögliche Unschuld oder die mildernden Umstände, die ihm helfen könnten, überprüfen soll. Und es ist ein Grundsatz der Ritterlichkeit, dass die Verteidigung der am meisten vernachlässigten Angeklagten, der am meisten vergessenen und am wenigsten von der Gesellschaft geschützten Verbrecher, liebevoll von denen übernommen wird, die die Verteidigung der Wahrheit vor den Gerichten, zu ihrem gewohnheitsmäßigen Beruf gemacht haben.
Es geht natürlich nicht darum, die wirklich schuldigen Menschen freizusprechen oder falsche mildernde Umstände zu schmieden, in der Bemühung, eine Dialektik, die nicht im Dienste der Wahrheit und des Guten, sondern des Irrtums und des Bösen steht zu erfinden. Die Aufgabe des Rechtsanwalts, der sein Amt mit dem Barmherzigkeitsgefühl des barmherzigen Samariters ausübt, besteht nicht darin, die Kerker von Kriminellen zu leeren, um mit ihnen die Straßen zu füllen, sondern nur die Unschuldigen aus den Gefängnissen zu holen, um sie der sozialen Situation wieder zuzuführen, wozu ihre eigene Unschuld sie berechtigt.
Wenn dies der Fall ist bei denen, die die Angeklagten vor dem Richter der Ziviljustiz verteidigen, so muss dies auch und erst recht bei denen geschehen, die sich dem Apostolat in den Reihen der Katholischen Aktion widmen, und dazu bekennen, den mystischen Leib Unseres Herrn Jesus Christus gegen das ungerechte Urteil des Geistes der Welt zu verteidigen. Der Erlöser bestätigte, dass Er die Wahrheit selbst ist. Und wenn die Wahrheit von der weltlichen Demenz verurteilt wird, steht es uns zu, sie wie nie zuvor stolz und unerschrocken zu verkünden, und mit der mutigen Stimme unserer Lobpreisungen das Schrillen der Blasphemien und Irrtümer, die der Geist der Welt gegen sie schleudert, zu ersticken und zu verstummen.
* * *
In den frommen Meditationen der Heiligen, die im Geiste Unseren Erlöser begleitet haben auf den Kreuzweg, den Er gegangen ist, um uns zu erlösen, wurden alle von Ihm erlittenen Schläge, zärtlich hervorgerufen, liebevoll beobachtet und leidenschaftlich durch Liebesakte gesühnt. Wie viele frommen Herzen sind es im Laufe der Jahrhunderte gewesen, die all ihre Einbildungskraft und Liebe vermehrt haben, um den Heiland auf Seinem schmerzlichen Weg durch die Straße der Bitterkeit aufzuhalten, um mit Eifer Seine am meisten verletzten Glieder zu betrachten, und vorzugsweise auf diese die anerkennenden und rührenden Küsse der menschlichen Dankbarkeit zu legen!
Die Kirche ist der mystische Leib Unseres Herrn Jesus Christus. Und jede einzelne Wahrheit der katholischen Lehre, wenn sie abgelehnt, vergessen oder beleidigt wird, kann in gewisser Weise mit einem verletzten Glied des Erlösers selbst verglichen werden. Es gibt Punkte der katholischen Lehre, die zumindest heute in Brasilien nicht Gegenstand von Leugnung und öffentlicher Empörung sind. Diese Wahrheiten können berechtigterweise mit den noch gesunden Gliedern des Erlösers verglichen werden. Es gibt aber andere, die, obwohl allgemein akzeptiert, teilweise durch gegenwärtige Vorurteile entstellt sind. Sie sind Glieder des Erlösers, die bereits von den Henkern verwundet wurden, aber noch nicht mit dem vollständigen Schmerz erfüllt sind, den der Erlöser am Ende seines Lebens empfand, wodurch Er der „Mann der Schmerzen“ schlechthin genannt wird. Es gibt endlich andere Wahrheiten, die verabscheut, beleidigt, vergessen und geleugnet werden. Sie sind die Glieder des Erlösers, die die grausame Verfolgung der Juden bereits völlig getroffen und so viel und so tief verletzt hat. Durch das Äußerste ihrer Entstellung und ihres Leidens erinnern Seine Glieder an die schlimmsten menschlichen Krankheiten. Die Heilige Schrift spricht von „tamquam leprosus“ (wie einem Aussätziger) und bezieht sich auf Unseren Herrn in seiner Passion.
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Als Kind des Lichts und Anwalt der Wahrheit, will „Legionário“ nicht der Verfechter der katholischen Prinzipien sein, die niemand bestreitet, der Wahrheiten, die niemand in Frage stellt, der Tugenden, die alle bewundern. Denn der Anwalt sollte nicht der Verteidiger derer sein, die den Applaus der Menschenmengen erhalten und keine Verfolgung der öffentlichen Gerechtigkeit erleiden, sondern der Beschützer derjenigen, die verfolgt werden und ungerechte Unterdrückung erleiden.
Das ist der Grund, warum alle von der heiligen Kirche Gottes verkündeten Wahrheiten eine kindliche und ehrfürchtige Zustimmung von uns erhalten, und warum wir unterschiedslos allen zu Diensten stehen. Doch das Beste unserer Hingabe, die feinsten Zärtlichkeiten unserer Liebe und die feinste Blume unserer Opfer und Bemühungen, widmen wir der Veröffentlichung und dem Beweis der Wahrheiten, die der Geist der Welt entstellt, vermindert, verzerrt, in Vergessenheit versetzt oder den Massen zur allgemeinen Abscheu hinwirft. Denn der Mystische Leib Unseres Herrn Jesus Christus muss mit besonderer Zärtlichkeit geliebt und getröstet werden, genau in dem, wo Er am grausamsten geschlagen wird. Und unter Seinen zahlreichen Wunden küssen wir jene, die durch allgemeines Unverständnis weniger Mitgefühl erregen, jene auf denen weniger oft die lindernde Kraft der sühnenden Küsse aufgetragen wird.
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Wie leicht wäre die Aufgabe des „Legionário“, wenn es eine andere Orientierung hätte! Wie leicht und angenehm wäre für diejenigen, die es leiten, zum Beispiel von dem großen Gebot der Nächstenliebe einen unveränderlichen Vorwand zu machen für sentimentale Ausschweifungen, für Haltungen, die leichten Applaus auslösen können und für spitzfindige und leichtfertige Zugeständnisse an den Geist der Welt!
Wenn auch die Predigt der Nächstenliebe in allen Spalten unserer Zeitung gegenwärtig wird, was würde es uns vor dem ewigen Richterstuhl nützen, den öffentlichen Geist in der großen Illusion zu belassen, in der er sich in dieser Hinsicht befindet, indem wir ihm die Nächstenliebe darbringen, nicht so wie es sein sollte, sondern wie es unser selbstsüchtiges, materialistisches Jahrhundert vorgibt?
Wenn wir jedoch versuchen, solche Illusionen aufzulösen, wird der Applaus um uns herum unvermeidlich aufhören, werden die für unsere Lauheit geschenkten Blumen verwelken, werden die Dornen einen Teppich unter unseren Füßen bilden und unsere Wege mit Schmerzen füllen.
Man sage zum Beispiel, dass die Heilige Kirche Gottes die Nächstenliebe schützt, und diese große Wahrheit wird sofort allgemeinen Applaus auslösen. Aber lasst uns hinzufügen, dass Nächstenliebe die Liebe Gottes als Wurzel haben muss, dass sie im Wesentlichen die Liebe Gottes selbst und die Liebe des Nächsten aus Liebe zu Gottes ist, und der Applaus wird an Begeisterung und Wert abnehmen. Fügte man hinzu, dass die Nächstenliebe geordnet sein und vorzugsweise  ausgeübt werden über jene, die uns in der Ordnung der Gnade (und nicht nur der Natur) am nächsten stehen und daher zuerst die Katholiken und dann diejenige, es nicht sind zum Ziel haben sollte, wird ein unangenehmer Klatsch unsere Worte willkommen heißen und überall gegen unsere Intoleranz gemurrt werden. Fügten wir noch hinzu, dass Nächstenliebe nicht nur im Trösten der Leidenden besteht, sondern auch darin, diejenigen, die sich irren, zu bestrafen, so wird unsere Popularität vor bestimmten Augen vollständig verschwunden sein.
Aber lohnt es sich, Popularität zu erhalten, wenn der Preis ein feiger Rückzug ist? Welches Beispiel hat uns der Herr in dieser Hinsicht gegeben? Und als Er diejenigen selig pries, die Verfolgung für Seine Kirche erleiden, was hat Er getan, als die ewige Seligkeit denjenigen zu verkündigen, die die volle, vollständige und umfassende Wahrheit nicht verschwiegen haben, wenn auch Verfolgung die Frucht dieser Furchtlosigkeit war?
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Eine große und universelle Verlassenheit ist einer der Eindrücke des Märtyrertums, den die verfolgten Katholiken in Russland hinterlassen haben. Auf den Gläubigen, die in diesem von der Verfolgung des Kommunismus so völlig zerstörten Land leben, lastet einer der größten Unglücksfälle, die die Geschichte der Kirche verzeichnet haben. Täglich riskieren sie durch ihr Engagement und ihren Eifer ihr Leben und das ihrer Verwandten wegen des bösen Hasses der kommunistischen Agenten. Martyrien, Gefängnisse, Verbannung, ewige Arbeit an Orten, an denen sie keinen Zugang zu den Sakramenten haben und in denen selbst das geistliche Leben großen Gefahren ausgesetzt ist, sind die Bedrohungen, die sie täglich belasten. Um sie herum das ständige Martyrium, das Leben einer gottlosen Gesellschaft zu beobachten; Herzen ohne Erbarmen, Seelen ohne Licht, unbeständige Familien, verlassene Kinder, die Unmoral als Tugend errichtet, die Tugend als Schande verfolgt. Dies ist die höllische Umgebung, in der die langen Tage dieser so hart geprüften Existenzen, langsam und von Furcht geplagt, dahinfließen.
Doch zu all diesen Schmerzen fügt sich ein anderer bitterer und trostloser hinzu. Es ist die bedrückende Frage: Was werden die Brüder aus anderen Teilen der Welt für uns tun? Die heilige Kirche Gottes erstreckt sich über die ganze Erde. In allen Nationen der Welt hat sie viele Kinder. Außer diesen gibt es Bevölkerungen des wahren Glaubens beraubt, die aber die Vorteile eines Familienlebens entsprechend den Anforderungen der menschlichen Natur genießen und die Tugend kultivieren, die ihnen die einfache natürliche Vernunft vorgibt. Was machen all diese Leute? Bemerken sie nicht, dass Tag für Tag, Minute für Minute, Sekunde für Sekunde, ihre russischen Brüder „im Schatten des Todes sitzen“ und auf den befreienden Kreuzzug warten, der diese Gefangenschaft beenden könnte? Und wenn die Arme dieser Befreier durch unüberwindliche Schwierigkeiten gebunden sind, werden ihre Herzen wenigstens den großen Schmerz ihrer russischen Brüder verstehen? Wenn wirksame Hilfe sie nicht befreien kann, welcher ist dann wenigstens der lindernde Trost ihrer Herzen?
* * *
Auf diese Fragen antwortet die Presse, die sich in das desolate Russland hineinschmuggelt, in der Regel auf trostlose Weise. Die Zeitungen berichten über alles. Sport, Kinos, Tänze, Vergnügungen. Wenn sie ab und zu mal über den Kommunismus berichten, dann, um die Gefahr im eigenen Haus zu bekämpfen. Das Leiden Russlands wird eher als eine Waffe der inneren Gegenpropaganda, als eine Folge des ernsten Mitgefühls verwendet. Und die Augen, die auf der Suche nach einem Zufluchtsort über die Grenzen hinausschauen, fielen ungetröstet in die Dunkelheit. Nein, auch Außenstehende haben sie nicht richtig verstanden. Nur eine Stimme hat sie verstanden und machte sich zum Fürsprecher ihrer Schmerzen. Es war die Stimme der Kirche durch ihre Hierarchie. Doch der zivilisierte Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts, der verschränkte seine Arme.
*  *  *
Ich gestehe, dass diese Tatsache mich tief beeindruckt hat. Und diese Überlegung hat mich dazu gebracht, mich an andere Verfolgte zu erinnern, an die Opfer des Nationalsozialismus, zum Beispiel an jenen glorreichen und unglücklichen Schuschnigg, der immer noch unermessliche Schmerzen leidet, in den tiefen eines unbekannten Verlieses leidet, von den Menschen vergessen und nur getröstet von Gott.
Und dieser Gedanke kam mir, voller Entsetzen, über den Eindruck, den unsere verfolgten Brüder hätten, wenn sie in gewissen Zeitungen nicht nur eine echte Gleichgültigkeit über ihre Qualen gesehen, sondern unter dem Deckmantel der Nächstenliebe die Absicht keine zwingenden Proteste gegen die Verbrechen ihrer Peiniger zu äußern, ausgemacht hätten.
Welchen Eindruck würde ein jeder von uns bekommen, wenn wir im Gefängnis wären, verfolgt weil wir Katholiken sind, vom Einsatz unserer Brüder im Glauben auf die Befreiung oder wenigstens den Trost in unseren Leiden wartend und merkten, dass wir weder diese Unterstützung noch den Trost bekommen würden, weil sie Angst hatten, dadurch unsere Peiniger zu kränken!
Es kann sein, dass „Legionário“ viele Mängel hat. Diesen Mangel hat es jedoch nicht: Niemand hat je Verfolgung wegen seiner Kirchenzugehörigkeit erlitten, ohne dass „Legionário“ ganz auf seiner Seite stand, seine Schmerzen empfindend, als würde es sie selbst erleiden und seine Rechte verteidigend, als ob sie die der eigenen brasilianischen Katholiken wären.
Keinen Angriff auf die Feinde der Kirche haben wir unternommen, der nicht so verstanden worden wäre. Die Kirche ist ein mystischer Leib, nicht nur in der Theorie, sondern in Wahrheit. Und kein Mitglied dieses Körpers wurde jemals verletzt, ohne dass seine Schmerzen, lebendig und im vollen Umfang, auf die Seiten unserer Zeitung widerhallten und direkt aus der Bitterkeit unserer Herzen strömten.
Viele Leser werden gelächelt haben, als wir in diesem Artikel behaupteten, dass alle Seiten des „Legionário“ voller Beweise der Nächstenliebe sind. Diese Liebe ist, wie man sieht, sehr authentisch und richtet sich genau an diejenigen, die am meisten das Recht auf Liebe haben: es sind diejenigen, die uns am nächsten stehen. Man wird niemals sagen können, dass wir die Rechte der Opfer aus Gleichgültigkeit gegenüber den Schergen verkannt hätten.
Ist es nicht wahr, dass das Blatt „Legionário“ so ist, wie Dante hätte sagen können: „die Liebe bewegt es und bringt es zum Reden“?
Wie viele aber gibt es, die in dieser Liebe nur Hass sehen? Eines können jedoch diejenigen, die uns nicht verstehen, sehr sicher sein. Auch sie lieben wir in Jesus Christus. Und sollte eines Tages ihre Gewissensrechte verletzt werden, werden sie uns liebevoll an ihrer Seite finden.
Dann werden sie wohl wahrnehmen, mit wie viel Liebe unsere Kampfbereitschaft durchdrungen ist, in der sie nur Hass sehen.

Freie Übersetzung aus „O Legionário“  Nr. 370, 15.10.1939.
Originaltitel: „O arauto do amor ao próximo“

(*) Katholisches Wochenblatt der 30. und 40. Jahre in São Paulo, Brasilien.

Donnerstag, 12. April 2018

„Dieser ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird“


In diesen Tagen erreicht die Fastenzeit ihren Höhepunkt, denn jetzt gedenkt die Kirche der unsäglichen Schmach, der sich der Gottmensch aus Liebe zu uns freiwillig ausgesetzt hat. Dieses Zusammentreffen frohlockender Aussichten und schmerzlicher Feierlichkeiten lässt uns gleichzeitig an den Triumph und an die Demütigung Unseres Herrn Jesus Christus denken. Es ist dies ein nützliches Thema für unsere Betrachtungen während der Karwoche, das auch fruchtbare Gedanken hervorruft, wie sie für unsere Zeit sicher äußerst gelegen kommen.

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Wenn wir uns das Leben Unseres Herrn genau ansehen, werden wir kaum auf etwas stoßen, das nicht eine höchst angebrachte, unerschütterliche Bewunderung auslösen könnte. Als Lehrmeister hat er die Wahrheit in ihrer ganzen Fülle gelehrt. Als Vorbild hat er das Gute in seiner ganzen Vollkommenheit ausgeübt. Als Hirte hat er keine Mühe und weder Milde noch strenge Zurechtweisungen gescheut, um seine Schafe zu retten, und schließlich hat er für sie sogar sein Blut bis zum letzten Tropfen vergossen. Er hat seine göttliche Sendung mit unglaublichen Wundern bewiesen und die Seelen mit zahllosen geistlichen und zeitlichen Wohltaten überschüttet. Um seine Fürsorge auf alle Menschen aller Zeiten auszudehnen, hat er dieses Wunder aller Wunder, die heilige katholische Kirche gestiftet. Und innerhalb der heiligen Kirche hat er seine Gegenwart auf zweierlei Weise fortdauern lassen: Wahrhaft und wirklich im heiligsten Altarsakrament und außerdem durch das Lehramt in der Person seines Stellvertreters auf Erden. Der menschliche Geist wäre nie in der Lage gewesen, eine derartige Fülle an Gnaden und Wohltaten zu ersinnen.

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Aus diesem Grunde wird der Herr geliebt. Darin kommt eine besondere Form der Verehrung zum Ausdruck. Und Unser Herr hat diese wie kaum ein anderer genossen. Das Volk drängte sich derart um ihn, dass die Apostel ihn schützen mussten. Wenn er lehrte, folgte ihm die Menge in die Wüste hinaus, ohne an Bedeckung und Nahrung zu denken. Und bei seinem Einzug in Jerusalem bereitete ihm das Volk einen wahrhaft großartigen Triumphzug. Das alles ist Ausdruck großer Liebe und Anhänglichkeit. Und doch gab es noch innigere Liebe. Als der scheinbare Misserfolg des Leidens und Sterbens einen mysteriösen Schleier über die Sendung Unseres Herrn sinken ließ und ihn endgültig zu widerlegen schien, gab es Seelen, die nicht aufhörten, an ihn zu glauben und ihn zu lieben. Für eine gewissen Veronika, einige heilige Frauen und einen jungfräulichen Apostel war dies nicht das Ende ihrer Liebe zu ihm. Vor allem aber stand da die heilige Jungfrau Maria, die unaufhörlich in einer derart heftigen und vollkommenen Liebe entbrannte, wie Himmel und Erde es ihr niemals gleichtun könnten. Es waren dies Seelen, die in ihrer Liebe auch dann noch fortfuhren, als in dem Augenblick unsagbarer Schmerzen das Grab verschlossen wurde und die Schatten und das Schweigen des Todes auf den blutlosen Leib herniedersanken, als das Ende von allem gekommen schien.

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Wie ist es aber zu erklären, dass derselbe Jesus so großen Hass auslöste? Denn es ist nicht zu leugnen, dass er gehasst wurde. Die Juden hassten ihn mit einem schamvollen, verzehrenden, schändlichen Hass, wie ihn nur die Hölle hervorbringen kann. Von Hass getrieben suchten sie ihn lange auszuspionieren, um eine mögliche Schuld an ihm zu finden, die sie als Waffe gegen ihn einsetzen könnten. Das beweist, dass sie ihn nicht wegen eines Makels hassten, den sie ihm irrtümlich zugeschrieben hätten. Warum also hassten sie ihn dann? Wenn es nicht wegen etwas Bösem war, das ihm ja nicht anhaftete und das sie umsonst bei ihm suchten, warum also? Es konnte nur wegen des Guten gewesen sein... Welch tiefes Geheimnis der menschlichen Bosheit! Es war ein verschämter Hass, der sich unter dem Mantel der Liebenswürdigkeit verbarg, weil sie in Wirklichkeit keinen ehrlichen Grund dafür hatten, ihm ihren Hass zu erklären. In dem Maße, in dem sich der Sendungsauftrag Jesu seiner Erfüllung näherte, wuchs auch der Hass der Juden an und näherte sich des dröhnenden Ausbruchs. Da sie ihm nichts anhaben konnten, gingen sie zu Verleumdungen über. Davon machten sie denn auch reichlichen Gebrauch. Auf diesem Gebiet verfügten sie über alle möglichen Mittel: Geld, Beziehungen zu den Römern, Prestige religiöser Ämter. Und doch ist die Verleumdungskampagne großenteils gescheitert. Sie vermochten zwar einige Neider zu überzeugen und den Zweifel in die Gemüter einiger plumpen, stumpfen Geister zu gießen, die sich der Sucht hingaben, an sich, an den andern, an allem und allen zu zweifeln. Es stellte sich schließlich als unmöglich heraus, die wunderbare Wirkung der Gegenwart, des Wortes und Handelns Unseres Herrn mit Verleumdungen zu erschüttern. So reifte der entscheidende Plan heran, ihn durch eine Niederlage zu widerlegen, die ihn in den Augen aller verächtlich erscheinen lassen und ihn aus der Welt der Lebenden entfernen sollte. Der Rest ist bekannt. Der Satan schlich sich bei dem abscheulichsten aller Menschen ein, der ihn verkaufte und mit einem Kuss verriet. Ein noch mehr in seiner Seele als im Körper verderbter, unschlüssiger, lascher, eitler Prokonsul übergab ihn schließlich in die Hände seiner Feinde. Nun ergoss sich über ihn der ganze Hass der Synagoge, mit dem die Pharisäer letztlich doch die Menge anzustecken vermochten.
Was für ein Hass, und was für ein Balsam! Da standen und schrien sie, unter ihnen auch so mancher Blinde und Geheilte, so mancher einst Besessene — so viele Seelen, denen der Sohn Gottes die Ruhe geschenkt hatte!

Doch wer weiß, was sie fühlten? Als sie seine Wohltaten empfingen, fühlten sie sich vielleicht insgeheim gedemütigt und minderwertig. Als sie seine Lehren empfingen, überkam sie vielleicht unbewusst ein Gefühl der Auflehnung, das unmerklich ihre Bewunderung untergrub: Warum war er nur so streng, warum verlangte er so viele Opfer? Ihn nun „unterlegen“ zu sehen, musste wie eine Befreiung wirken – es war der Triumph alles Verdrängten, aller Gemeinheit, allen Neides, die Essenz aller Niedertracht. Der große Aufstand der ruchlosen, boshaften Pharisäer und der ihnen Gleichgesinnten in allen Volksschichten. Sie alle bildeten nun eine gemeinsame Front mit denen, die heimlich und vielleicht sogar unbewusst eine Abneigung nährten, sowie mit all den Lauen und Halbherzigen. Das Ergebnis von all dem war der Gottesmord, das größte Verbrechen aller Zeiten.


Freie Übersetzung von „Ecce positus est hic in ruinam et in resurrectionem multorum in Israel“ (Portugiesisch) von Plinio Corrêa de Oliveira in Catolicismo Nr. 52 – April 1955

Montag, 9. April 2018

Gebet für die verfolgte Christenheit


 
Trauer um P. Jacques Hamel, der in seiner Kirche während der Messe ermordet wurde im Juli 2016 
Mein Herr, unser König bist Du ganz allein. Hilf uns doch, da wir allein sind und keinen anderen Helfer haben als nur Dich! Denn die Gefahr ist greifbar nahe. Wir hörten von unseren Vorfahren, das Du, Herr, die Christenheit aus allen Nationen und unsere Väter aus all ihren Vorfahren zum ewigen Erbteil angenommen und ihnen erfüllt hast, was du verheißen.
Jetzt aber haben wir vor Dir gesündigt, und Du gabst uns in die Gewalt unserer Feinde. Denn wir haben ihre Götter verehrt. Gerecht bist Du, o Herr! Es war ihnen aber noch nicht genug, uns harte Knechtschaft aufzuerlegen, sondern sie haben ihren Götzenbildern in die Hände geschworen, die Entscheidung Deines Mundes zunichte zu machen, Dein Erbteil zu vertilgen, den Mund derer zu verschließen, die Dich loben, und den Glanz Deines Hauses und Deines Altares auszulöschen, um jedes Gesetz aufzuheben, jede Hierarchie zu vernichten und das Reich Luzifers einzurichten.
Übergib nicht, o Herr, Dein Zepter den Dienern Deiner Feinde, denen die nichtig sind, damit sie nicht lachen über unsern Sturz; vielmehr lass ihren schlimmen Plan auf sie zurückfallen! Jenen aber, der den Kampf gegen uns begonnen hat, gib öffentlich der Schmach preis!
Denke an uns, o Herr, und zeige uns Dein Antlitz in der Zeit unserer Trübsal! Verleihe uns Mut, Herr, König der Götter und Gebieter über jede Macht!
Lege eine gut passende Rede in unserem Mund vor den Bösen! Stimme ihre Herzen um zum Hass gegen den, der uns bekämpft oder sonst verwirre sie in ihren Absichten!
Uns aber rette durch deine Hand und hilf uns einsamen, die niemanden haben, außer Dir, o Herr, der Du alles weißt auch, dass wir den Glanz der Frevler hassen!
Gott, der Du Macht hast über alle, höre die Stimme derer, die nur auf Dich allein hoffen, und rette uns aus der Gewalt der Frevler und befreie uns von unserer Furcht! Amen.

[Prof. Plinio Corrêa de Oliveira verfasste dieses Gebet in den 1950Jahren in Anlehnung an das Gebet von Ester (14,3-19), als sie sich vorbereitete dem König zu bitten, Israel vor der Vernichtung zu verschonen.]
Bild: ©Matthieu Alexandre/AFP in France Soir vom 27.07.2016

Freitag, 6. April 2018

Das Heiligste Herz Jesu


Das heiligste Herz Jesu
    

Immer wieder haben die Päpste empfohlen, die Menschheit möge die Verehrung, die sie dem Heiligsten Herzen Jesu erweist, verstärken, damit, die Menschen durch die Gnade Gottes erneuert und wissend, dass Gott das Zentrum ihrer Liebe sein muss, auf Erden wieder diese Ruhe der Ordnung herrsche, von der wir uns immer weiter entfernen, je mehr die Welt in die Anarchie fällt.

      So kann eine katholische Zeitung auch nicht das vor kurzem gefeierte Fest des Heiligsten Herzen Jesu unbeachtet vorübergehen lassen. Es ist nicht nur eine durch die Frömmigkeit normale auferlegte Pflicht. Es geht hier mehr als um eine Pflicht, die die gegenwärtige erschütternde Lage der Welt dringend von uns erfordert.

* * *

      Es gibt wohl niemanden, der sich nicht beunruhigt fühlt durch die äußersten Grausamkeiten, zu die der heutige Mensch gelangen kann. Diese Grausamkeiten sehen wir nicht nur auf den Kriegsschauplätzen. Wir sehen sie auf jeden Schritt in den kleinen und großen Zwischenfällen unseres täglichen Lebens, wie allgemein die Menschen mit kaltem und hartem Herzen mit ihren Nächsten umgehen.

      Es sind Mütter, in deren Gemüt die Stärke der Hingabe und Liebe zu ihren Kindern abnimmt; es sind Ehegatten, die die gesamte Familie ins Unglück fallen lassen, nur weil sie ihren eigenen Instinkten und Leidenschaften nachgehen; Kinder, die gleichgültig gegenüber dem Elend oder der moralischen Verlassenheit ihrer Eltern, sich dem Genuss der Lustbarkeiten des Lebens hingeben; Unternehmer, die sich auf Kosten ihrer Angestellten bereichern, legen oftmals eine kalte und berechnete Grausamkeit an den Tag, richten ein viel größeres Unheil an, als die Wut, zu der sich die Kämpfenden in einem Krieg hinreißen lassen können. Wenn man auch die Grausamkeiten eines Krieges leichter erfassen kann, so haben doch die, die sie verüben wenn nicht eine Entschuldigung, doch wenigstens den mildernden Umstand, dass sie herausgefordert werden durch die Heftigkeit des Kampfes. Doch was in der Ruhe des täglichen Lebens ausgeheckt wird und sich abspielt, kann nicht immer diese mildernden Umstände genießen. Vor allem wenn es sich nicht um Einzeltaten handelt, sondern um eingefleischte Gewohnheiten handelt, die die schlechten Taten ins unendliche vermehren.

      Kriege, die heute geführt werden, verursachen einen hohen Grad an Grausamkeit. Sie sind aber längst nicht der einzige Ausdruck der gegenwärtigen moralischen Härte.

* * *

      Wer von Grausamkeit spricht, spricht von Egoismus. Der Mensch schädigt seinen Nächsten aus Eigennutz, weil er Vorteile genießen will, zu denen er kein Anrecht hat. So besteht das einzige Mittel, um die Grausamkeiten zu besiegen, die Selbstsucht zu vertilgen.

      Nun lehrt uns aber die Theologie, dass der Mensch nur zu einer echten und vollständigen Selbstlosigkeit fähig ist, wenn seine Nächstenliebe auf die Liebe Gottes begründet ist. Ohne Gottesliebe gibt es keine beständigen und keine vollkommene menschliche Liebesbeziehungen. Oder liebt der Mensch Gott bis zur Selbstvergessenheit, und dann ist er in der Lage seinen Nächsten wirklich zu lieben; oder der Mensch liebt sich selbst bis zur Gottvergessenheit, dann aber wird er von seiner Selbstsucht gänzlich beherrscht.

      So kann man nur durch die Vergrößerung der Gottesliebe bei den Menschen ein tiefes Verständnis ihrer Pflichten gegenüber dem Nächsten erreichen. Der Kampf gegen den Egoismus ist eine Aufgabe, die notwendigerweise die, wie sich  der hl. Augustinus so schön ausdrückt, „Erweiterung der Räume für die Gottesliebe“ mit sich bringt.

      Das Fest des Heiligsten Herzen Jesu ist aber auf vorzüglicher Weise das Fest der Liebe Gottes. Die Kirche empfiehlt uns an diesem Fest die zärtliche und unveränderliche Liebe Gottes, der Mensch geworden und für uns gestorben ist, zu betrachten und sie zum Ziel unserer Gebete machen. Indem sie uns das brennende Herz Jesu mit einer Dornenkrone, mit der wir es durch unsere Verfehlungen umwinden, öffnet die Kirche uns die Voraussicht einer barmherzigen weiten Vergebung, einer unendlichen und vollkommenen Liebe, einer vollständigen und reinen Freude, welche die beständige Wonne des geistlichen Lebens aller wahren Katholiken sein soll.

      Lieben wir das Heiligste Herz Jesu! Bemühen wir uns, das diese Andacht in allen Wohnungen, in allen Bereichen und vor allem in allen Herzen wirklich (nicht nur durch einige Symbole) triumphiere. Nur so wird es uns gelingen die Menschen umzuwandeln.

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      „Ad Jesum per Mariam“. Durch Maria kommen wir zu Jesus. Da wir über das Herz Jesu schreiben, wie können wir nicht ein Wort kindlicher Innigkeit über jenes Unbefleckte Herz sagen, das besser als jedes andere den göttlichen Erlöser verstand und liebte? Möge die Muttergottes uns einige Funken Ihrer großen Verehrung zum Heiligsten Herzen Jesu erlangen. Möge sie in uns ein wenig von diesem Feuer der Liebe entzünden, in dem ihr Herz so eindringlich brannte. Das sind unsere Wünsche in dieser milden und trostreichen Oktav des Herz Jesu Festes.

Freie Übersetzung aus „O Legionário“, N.º 458, 22 de junho de 1941

Freitag, 30. März 2018

Betrachtungen über das Leiden Unseres Herrn Jesus Christus, 7. Teil


von Plinio Corrêa de Oliveira

Dreizehnte Betrachtung



»Und als er ihn herabgenommen hatte, wickelte er ihn in Linnen und setzte ihn bei in einem ausgehauenen Grab, in dem noch kein anderer gelegen war« (Lk 23,53).

Herr Jesus, ich betrachte deinen vom Kreuz herabgenommen Leib, deine Menschlichkeit wie zerschmettert, und dein unendlich kostbares Blut, dass du während deinem Leidensweg vergossen hast. Oh, Mann der Leiden, deine Seele und dein Leib litten so viel wie ein Mensch nur hat leiden können.
Solange diese Welt existiert, wirst du unser Vorbild sein im Leiden mit all seinem Adel, Kraft, Ernsthaftigkeit, Süße und Erhabenheit sein. Dies ist ein Vorbild des Leidens, nicht nur rational betrachtet, sondern auch aus der unendlichen Perspektive des Glaubens; ein Leid, das theologisch verstanden wird, als notwendige Buße und ein wesentliches Mittel der Heiligung.

Durch die unendlichen Verdienste deines kostbarsten Blutes, gib unseren Geist die notwendige Klarheit, die Rolle des Leidens in unserem Leben zu verstehen und gib uns die notwendige Kraft, das Leiden wirklich zu lieben.
Die Menschheit kann sich nur aus der enormen Krise retten, in der sie sich befindet, wenn sie die Rolle des Leidens und des Geheimnisses des Kreuzes versteht. Es ist nur dieses Verständnis von Leiden, das auch diejenigen vor der ewigen Strafe retten kann, die selbst in der Stunde des Todes, deiner Einladung, dich auf der Via Dolorosa zu begleiten, nicht nachgekommen sind.
Vermehre auf Erden die Seelen, die das Kreuz lieben. Dies ist die wunderbare Gnade, um die wir dich in dieser Karwoche in dieser Zeit der Dämmerung unserer Zivilisation bitten.

KREUZWEG

von Plinio Corrêa de Oliveira
GEBET

O schmerzhafte Mutter, in diesen Zeiten, in denen die große Mehrheit der Menschen die Opfer flieht, obwohl diese zur vollkommenen Erfüllung der Gebote und Weisungen Deines göttlichen Sohnes unerlässlich sind, erlange allen, die notwendige Kraft, ihr eigenes Kreuz bis hinauf auf Golgotha zu tragen.
1. Station
Jesus wird zum Tode verurteilt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

DER RICHTER, der das ungeheuerlichste Verbrechen der Menschheitsgeschichte beging, wurde dazu nicht angetrieben durch das Auflodern einer stürmischen Leidenschaft. Es blendete ihn nicht ideologischer Hass, nicht Gier nach neuen Reichtümern, nicht der Wunsch, einer Salome zu gefallen. Es war die Furcht, seinen Posten zu verlieren, die ihn antrieb, den Unschuldigen zu verurteilen. Die Furcht, den Eindruck zu erwecken, die Vorrechte des Kaisers nicht sorgfältig zu hüten; die Angst, politische Schwierigkeiten für sich selbst zu schaffen, wenn er dem Pöbel missfallen würde; die instinktive Angst „Nein“ zu sagen, das Gegenteil zu tun, was verlangt wird, mit Haltungen und Meinungen aufzutreten, die dem Umfeld widersprechen.
O Herr, lange hast Du ihn angeschaut mit dem gleichen Blick, der im Nu die Bekehrung des Petrus erwirkte. Ein Blick, in dem sich Deine höchste moralische Vollkommenheit widerspiegelte, Deine unendliche Unschuld. Und dennoch, er hat Dich verurteilt.
O Herr, wie oft habe ich Pilatus nachgeahmt! Wie oft habe ich zugelassen, dass aus Liebe zu meiner Karriere die Wahrheit in meiner Gegenwart angegriffen wurde und ich dazu schwieg. Wie oft habe ich mit verschränkten Armen dem Kampf und dem Martyrium derer zugesehen, die sich für Deine Kirche einsetzten. Und hatte keinen Mut, ihnen ein Wort der Unterstützung zu sagen, aus Feigheit, denen zu entgegnen, die mich umgaben, „Nein“ zu sagen denen, die mein Umfeld bildeten, aus Angst „anders zu sein, als die anderen“. So, als ob Du mich erschaffen hättest, o Herr, um Dich nicht nachzuahmen, sondern unterwürfig meine Freunde nachzuahmen. In jenem schmerzhaften Augenblick der Verurteilung hast Du, o Herr, gelitten für alle Feiglinge, für alle Schwächlinge, für alle Lauen, ... , für mich, o Herr.
Mein Jesus, Verzeihung und Barmherzigkeit. Durch das Beispiel Deiner Stärke, mit der Du der Verachtung der Menschen entgegengetreten bist und das Urteil des römischen Statthalters auf Dich genommen hast, heile in meiner Seele das Geschwür der Trägheit und der Bequemlichkeit.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.

2. Station
Jesus nimmt sein Kreuz auf sich

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

NUN BEGINNT, o mein angebeteter Herr, Dein Weg zur Opferstätte. Nicht einen schnellen Tod hat Dein himmlischer Vater für Dich bestimmt. Nein! Durch einen langen Leidensweg solltest Du uns nicht nur ein Beispiel im Sterben sein, sondern auch in der Sicht des herannahenden Todes: Ihm mit Ruhe, ohne Zögern und ohne Schwächen zu begegnen; ja sogar ihm entgegenzuschreiten mit dem sicheren Schritt eines Kriegers, der zum Kampfe vordringt. Dies ist die bewundernswerte Lehre, die Du mir gibst.
Doch bei mir wieviel Feigheit in der Vorahnung eines Schmerzes, o mein Gott. Bevor ich mein Kreuz auf mich nehme, versuche ich mich entweder anzupassen, oder ich ziehe mich zurück und verrate meine Pflichten. Wenn ich es schließlich annehme, dann mit soviel Überdruss und Trägheit, dass es scheint, ich verabscheue die Last, die Dein Wille mir auf die Schultern legt. Und wie oft kommt es vor, dass ich meine Augen schließe, um den Schmerz nicht zu sehen. Ich verblende mich mit einem einfältigen Optimismus, weil ich keinen Mut habe, die Prüfung auf mich zu nehmen. Und deshalb lüge ich mir selbst vor: Es ist nicht wahr, dass der Verzicht auf dieses Vergnügen notwendig ist, um nicht der Sünde zu verfallen. Es ist nicht wahr, dass ich jener Gewohnheit, die meine innersten Leidenschaften schürt, entsagen muss. Es ist nicht wahr, dass ich jene Umgebung, jene Freundschaft meiden muss, weil sie mein geistliches Leben ruinieren. Nein, nichts davon ist wahr... Ich schließe die Augen und werfe mein Kreuz zur Seite.
Mein Jesus, verzeih' mir soviel Bequemlichkeit. Durch die Wunde, die das Kreuz auf Deiner heiligen Schulter öffnete, heile, o Vater der Barmherzigkeit, die schreckliche Wunde in meiner Seele, die Jahre innerer Sorglosigkeit und Selbstgefälligkeit aufgerissen haben.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.


3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.


WIE DENN, o Herr? War es Dir nicht erlaubt, Dein Kreuz liegen zu lassen? Da Du es doch getragen hattest, bis all Deine Kräfte erschöpft waren und die nicht mehr tragbare Last des Kreuzes Dich zu Boden warf, war es da nicht deutlich genug, dass es unmöglich war, es weiter zu tragen? Deine Aufgabe war erfüllt! Nun sollten die Engel des Himmels das Kreuz für Dich weiter tragen! Du hattest das Möglichste gelitten! Was könntest Du noch mehr hergeben?
Doch Du hast Dich anders verhalten und meiner Feigheit eine hohe Lehre erwiesen. Als Deine Kräfte erschöpft waren, hast Du Dich nicht der Last entledigt, sondern um noch mehr Kraft gefleht, um das Kreuz wieder aufzunehmen. Und Du hast sie erhalten.
Schwer ist heute das Leben eines Christen. Gezwungen gegen sich selbst zu kämpfen, um vom Pfade der Gebote nicht abzuweichen, scheint er gegenüber einer Welt, die in Zügellosigkeit und Reichtum sich der Lebensfreude brüstet, eine überspannte Ausnahme zu sein.
O Herr, das Kreuz der Treue zu Deinen Geboten lastet schwer auf unseren Schultern und manchmal scheint uns der Atem zu versagen.
In diesem Augenblick der Prüfung reden wir uns selber ein: Wir haben schon alles getan, was in unseren Kräften stand. Letztendlich ist ja die Ausdauer des Menschen begrenzt! Gott wird dafür schon Verständnis haben ... Legen wir das Kreuz am Rande des Weges ab und lassen wir uns sachte in die Genüsse des Lebens versinken! ...
O, wie viele verlassene Kreuze am Rande unserer Wege; wer weiß, wie viele am Rande meines eigenen Weges!
Gib mir, o Herr, die Gnade, mein Kreuz fest in den Armen zu halten, selbst wenn unter seiner Last meine Kräfte mich verlassen sollten. Gib mir die Gnade, mich wieder aufzurichten, wenn immer ich zusammenbreche. Gib mir, Herr, die große Gnade niemals vom Wege abzukommen, auf dem ich zum Gipfel meines eigenen Kalvarienberges gelangen muss.
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.

A. Amen.

4. Station
Jesus begegnet seiner heiligen Mutter

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

WER WÜRDE es wagen, o Mutter, Dich so weinen zu sehen und nach dem Grund Deiner Tränen zu fragen? Weder die Erde, noch der Himmel, noch das ganze Firmament könnten als Vergleich herangezogen werden, für die Unermesslichkeit Deiner Schmerzen.
Gib mir, o Mutter, wenigstens einen kleinen Teil Deiner Schmerzen. Gib mir die Gnade, Jesus mit den Tränen einer aufrichtigen und tiefen Zerknirschung zu beweinen.
Du leidest mit Jesus. Gib mir die Gnade zu leiden, Wie Du und Er leiden.
Dein größter Schmerz kam nicht von der Betrachtung des unsagbaren körperlichen Leidens Deines göttlichen Sohnes. Was sind schon die Leiden des Körpers im Vergleich zu den Leiden der Seele? Wenn Jesus all diese Marter hätte erleiden müssen, doch an seiner Seite mitleidige Herzen gewesen wären! Wenn der dümmste, der ungerechteste, der platteste Hass das heiligste Herz nicht unendlich mehr verwundeten, als die Last des Kreuzes und die Misshandlungen den heiligen Leib Unseres Herren! Und da war der sich tobend äußernde Hass und die Undankbarkeit derer, denen Er seine Liebe erwiesen hatte ... Hier ein Aussätziger, den Er geheilt hatte ... Da ein Blinder, dem Er das Augenlicht zurückgegeben hatte ... Etwas weiter ein Betrübter, dem Er wieder den Frieden geschenkt hatte... Und alle verlangten Seinen Tod. Alle hassten Ihn; alle beschimpften Ihn. Dies alles bereitete Jesus viel mehr Leiden, als die unsagbaren Schmerzen, die seinen heiligen Leib erdrückten.
Doch es gab noch Schlimmeres. Da war noch die Sünde; die ausgesprochene Sünde, die offensichtliche Sünde, die abscheuliche Sünde. Wenn all jene Undankbarkeiten dem gütigsten aller Menschen zuteil würden, aber paradoxerweise Gott nicht
beleidigen würden! Doch sie richteten sich gegen den Gottmenschen und waren deshalb ein äußerstes Vergehen gegen die Heiligste Dreifaltigkeit selbst. Und das ist das Verhängnisvollste an der Ungerechtigkeit und der Undankbarkeit.
Das schlimmste an diesem Vergehen ist nicht, dass es die Rechte des Wohltäters verletzt, sondern dass es Gott selbst beleidigt.
Und unter den vielen Ursachen Eurer Schmerzen, bereitete Euch gewiss die Sünde das größte Leid, o heiligste Mutter, o göttlicher Erlöser.
Und ich? Weiß ich um meine Sünden? Erinnere ich mich meiner ersten Sünde? Meiner jüngsten Sünde? Der Zeit, zu der ich sie begang, des Ortes, der Personen, die um mich waren, der Gründe, die mich zur Sünde führten? Hätte ich an all das Leid gedacht, das Dir nur eine einzige Sünde zufügt, hätte ich es dann je gewagt, Dich zu beleidigen, o Herr?
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.

5. Station
Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

WER WAR dieser Simon? Was weiß man von ihm schon mehr, als dass er aus Cyrene stammte? Und was wissen wir über Cyrene schon mehr, als dass es die Heimat dieses Simon war? Die Person und der Ort traten auf einmal aus der Dunkelheit zum Ruhm hervor; und zum höchsten allen Ruhmes, weil ein heiliger Ruhm, in einem Augenblick, als ganz andere Gedanken die des Cyrenäers waren.
Er ging wohl ganz unbekümmert seinen Weg. Er dachte wohl an die kleinen Probleme und kleinen Interessen, die den Alltag eines gewöhnlichen Menschen bestimmen.
Doch Du, mein Herr, überquertest seinen Weg mit Deinen Wunden, mit Deinem Kreuz, mit Deinem unsagbaren Schmerz. Diesem Simon war es gegeben, Dir gegenüber Stellung zu beziehen. Sie zwangen ihn, Dein Kreuz mitzutragen. Entweder würde er es unwillig mittragen, gleichgültig Dir gegenüber, dem Pöbel zu gefallen, indem er auf irgendeine Weise Deine leiblichen und seelischen Schmerzen erhöhte; oder er würde es mit Liebe tragen, aus Mitleid, den Schaulustigen zum Trotz, um Dein Leid zu lindern, um selbst ein wenig Deine Schmerzen zu leiden, damit Du etwas weniger littest.
Der Cyrenäer zog es vor, mit Dir zu leiden. Und siehe, seit zweitausend Jahren wird sein Name in Liebe, in Dankbarkeit und mit heiligem Neid von allen gläubigen Menschen auf der ganzen Welt wiederholt. Und so wird es sein bis ans Ende der Zeiten!
O mein Jesus, auch mir bist Du über den Weg gegangen. Du kamst mir entgegen, als Du mich durch die heilige Taufe von der Finsternis des Heidentums in den Schoß Deiner Kirche berufen hast. Du kamst mir entgegen, als meine Eltern mich das Beten lehrten. Du kamst mir entgegen, als ich im Katechismus meine Seele der wahren katholischen Lehre öffnete. Du kamst mir entgegen bei meiner ersten Beichte, bei meiner ersten heiligen Kommunion, in all den Augenblicken, in deenen ich wankte und Du mich gestützt hast, in denen ich fiel und Du mich wieder aufgerichtet hast, in denen ich Dich anflehte und Du mich erhört hast.
Und ich, Herr? Auch jetzt kommst Du mir wieder entgegen in diesem Kreuzweg. Was tue ich, o Herr, wenn Du an mir vorübergehst?
Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.



6. Station
Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

AUF DEN ersten Blick würde man sagen, es gibt in der Geschichte keinen größeren Preis. Denn welcher König hatte jemals ein kostbareres Tuch in der Hand, als jenen Schleier? Welcher Feldherr besaß je ein glorreicheres Banner? Welche mutige und selbstlose Tat wurde je mit einer so außerordentlichen Auszeichnung belohnt?
Und doch: Es gibt eine Gnade, die viel wertvoller ist als der Besitz eines Schleiers mit dem Abbild des heiligen Antlitzes unseres Erlösers. Hier ist das göttliche Antlitz wie auf einem Bild dargestellt. In der Heiligen Katholischen Kirche sieht man Ihn wie in einem Spiegel.
In ihren Einrichtungen, in ihrer Lehre, in ihren Geboten, in ihrer Einheit, in ihrer Universalität, in ihrer unübertrefflichen Katholizität ist die Kirche ein wahrer Spiegel, der unseren göttlichen Erlöser widerspiegelt. Mehr noch: Sie ist der Mystische Leib Christi selbst.
Und wir alle haben die Gnade, der Kirche anzugehören, lebendige Bausteine der Kirche zu sein!
Wie müssen wir für diese Gnade dankbar sein! Doch vergessen wir nicht, dass "Adel verpflichtet". Der Kirche anzugehören, ist etwas sehr hohes und zugleich schweres. Wir müssen denken, wie die Kirche denkt, fühlen, wie die Kirche fühlt, in allen Umständen unseres Lebens handeln, wie es die Kirche will. Dies setzt eine wahrhaftige katholische Gesinnung voraus, eine echte und vollständige Sittenreinheit, eine tiefe und ehrliche Frömmigkeit. Mit anderen Worten: Es setzt das Opfer eines ganzen Daseins voraus.
Und der Preis? „Christianus alter Christus“! Ich werde auf hervorragende Weise ein Abbild Christi selbst. Die Ähnlichkeit Christi wird sich lebendig und heilig meiner Seele einprägen.
O Herr, wenn die der Veronika zuerteilte Gnade groß war, wie viel größer ist doch die Gunst, die Du mir versprichst.
Ich bitte Dich um Kraft und Entschlossenheit, um sie durch eine unverbrüchliche Treue wirklich zu erlangen.

Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.


7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

FALLEN, hinfallen, am Boden niedergestreckt, vor Aller Füßen liegen, offen zu erkennen geben, dass alle Kräfte dahin sind: Dies sind, o Herr, die Demütigungen, denen Du Dich unterwerfen wolltest, um mich zu belehren. Niemand hatte Mitleid mit Dir. Im Gegenteil: Die Beleidigungen und Grobheiten nahmen zu. Indessen flehte vergeblich Deine Gnade um eine Geste des Erbarmens im Innern dieser versteinerten Herzen.
Doch auch in dieser Lage wolltest Du Deinen Leidensweg weitergehen, um die Menschen zu erlösen. Welche Menschen? Alle, einschließlich derer, die da waren und Deine Schmerzen auf alle Art und Weise vermehrten.
In meinem Apostolat, o Herr, muss ich weitermachen, auch wenn all meine Werke zu Boden gefallen sind; auch wenn alle sich zusammentun, um mich anzugreifen; auch wenn die Undankbarkeit und die Bosheit derer, denen ich Gutes tun wollte, sich gegen mich wenden.
Ich werde nicht der Schwäche nachgeben und einen anderen Weg einschlagen, nur um ihnen zu gefallen. Meine Wege können nur die Deinen sein, das heißt, die Wege der Wahrheit, der Reinheit, der Strenge. Auf diesen Deinen Wegen werde ich für sie leiden. Und in der Vereinigung meiner unvollkommenen Schmerzen mit Deinem vollkommenen Schmerz, mit Deinem unendlich kostbaren Schmerz, werde ich ihnen weiterhin Gutes tun, damit sie gerettet werden oder damit die verweigerten Gnaden sich wie glühende Kohlen auf sie häufen und nach Strafe rufen. Dies tatest Du mit denen, die Deinen Tod verlangten, und mit allen, die Dich bis zuletzt ablehnten.

Vater unser..., Gegrüßet seist Du Maria..., Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr!
A. Erbarme Dich unser!
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
A. Amen.



8. Station
Jesus tröstet die weinenden Frauen

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

ES FEHLTE aber nicht an guten Seelen, die den Umfang der hier verübten Sünde erkannten und die göttliche Gerechtigkeit fürchteten.
Sehe nicht auch ich eine solche Sünde? Ist es nicht wahr, dass heute der Stuhl Petri angefochten, verlassen, verraten wird? Ist es nicht wahr, dass die Gesetze, die Institutionen, die Sitten gegenüber Jesus Christus immer feindseliger werden? Ist es nicht wahr, dass eine ganze Welt, eine ganze Kultur aufgebaut wird, die Christus leugnet? Und ist es nicht wahr, dass die Muttergottes in Fatima all diese Sünden aufgezeigt hat und um Buße und Sühne bat?
Doch wo ist diese Buße? Wie viele sind es, die die Sünde wirklich sehen und versuchen sie beim Namen zu nennen, zu enthüllen, zu bekämpfen, ihr Schritt für Schritt den Boden zu bestreiten, ihr in einem Kreuzzug von Gedanken und Taten mit aller Härte zu begegnen? Wie viele gibt es, die fähig sind, das Banner der absoluten und makellosen Wahrheit dort zu entfalten, wo der Unglaube oder der falsche Glaube herrscht? Wie viele sind es, die in Einheit mit der Kirche diese Zeiten leben, die so tragisch sind, so tragisch wie der Leidensweg Christi war; in diesem entscheidenden Zeitpunkt der Geschichte, in dem die Welt die Wahl für oder gegen Christus trifft?
O mein Gott, wie viele Kurzsichtige gibt es, die es vorziehen, die Wirklichkeit, die ihnen in die Augen springt, nicht sehen und nicht vorhersehen zu wollen.
Wie viel Zufriedenheit, wie viel kleiner Wohlstand, wie viel alltäglicher kleiner Genuss. Wie viel schmackhafte Linsengerichte zum Schlürfen!
Gib mir, o mein Jesus, die Gnade nicht zu ihnen zu zählen. Die Gnade, Deinem Rat zu folgen, und zwar über uns und die Unseren zu weinen. Nicht mit fruchtlosen Tränen, sondern mit Tränen, die zu Deinen Füßen fallen, durch Dich fruchtbar werden und für uns Verzeihung, Kraft und Unerschrockenheit im Apostolat erlangen.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.


9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

MEHR DENN JE, o mein Herr, bist Du erschöpft, entkräftet, verwundet. Was erwartet Dich noch? Bist Du am Ziel angelangt? Nein. Gerade das Schlimmste steht noch bevor. Das entsetzlichste Verbrechen wird noch vollbracht. Die größten Schmerzen wirst Du noch leiden müssen. Zum dritten Male liegst Du am Boden und dennoch, alles, was bisher geschah, war erst der Anfang. Doch Dein zu einer einzigen Wunde gewordener Leib bewegt sich wieder. Was unmöglich schien, geschieht: Noch einmal erhebst Du Dich, langsam, wenn auch jede kleinste Bewegung einen neuen Schmerz bedeutet. Und siehe, wieder einmal stehst Du aufrecht da... mit Deinem Kreuz. Neue Kräfte hast Du geschöpft und setzt Deinen Weg fort. Dreimal bist Du gefallen und gabst mir damit drei Lehren der Standhaftigkeit, jede einzelne schmerzlicher und nachdrücklicher als die andere.
Warum soviel Nachdruck? Weil unsere Feigheit beständig ist. Wir nehmen uns vor, unser Kreuz auf uns zu nehmen, doch die Feigheit stellt sich immer wieder ein. Damit sie aber keinen Vorwand in unseren Schwächen findet, wolltest Du selbst uns ein dreifaches Beispiel geben.
Ja, unsere Schwäche kann uns nicht als Vorwand dienen. Die Gnade, die Gott niemandem verwehrt, kann erreichen, was die rein natürlichen Kräfte nicht vermögen.
Gott will, dass man Ihm bis zum letzten Atemzug dient, bis zur Erschöpfung der letzten Kräfte; und Er vergrößert unsere Fähigkeit zu leiden und zu wirken, damit unsere Hingabe bis an die Grenzen des Unvorhersehbaren, des Unwahrscheinlichen, ja, des Wunders reiche. Das Maß, Gott zu lieben, ist, Ihn ohne Maßen zu lieben, sagte der hl. Franz von Sales. Das Maß, für Gott zu kämpfen, ist, ohne Maßen für Ihn zu kämpfen, könnten wir sagen.
Doch, ich: wie schnell fühle ich mich erschöpft! In meinen apostolischen Werken hält mich das kleinste Opfer auf, die kleinste Mühe ruft in mir Widerwillen hervor, der kleinste Kampf treibt mich in die Flucht. Ich liebe das Apostolat, ja, aber es muss sich ganz meinen Vorlieben und Phantasien anpassen, denen ich mich hingeben kann, wann ich will, wie ich will und weil ich will. Und am Ende glaube ich noch, Gott ein großes Almosen gegeben zu haben.
Doch Gott hat daran keinen Gefallen. Im Einsatz für die Kirche will Er mein ganzes Leben, Er will Organisation, Scharfsinn, Kühnheit; Er will die Einfalt der Taube, aber auch die List der Schlange, die Sanftmut des Lammes, aber auch den hinreißenden und überwältigenden Zorn des Löwen. Wenn es notwendig sein sollte, Karriere, Freundschaften, Familienbande, dürftige Eitelkeiten, eingefleischte Gewohnheiten aufzugeben, um meinem Gott zu dienen, muss ich es tun. Lehrt mich doch diese Station des Leidens meines Herrn Jesus Christus, dass wir Gott alles schenken müssen, absolut alles. Und nachdem wir Ihm alles geschenkt haben, müssen wir Ihm noch unser eigenes Leben schenken.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.

R. Amen.

10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

ALLES, ja absolut alles! Selbst die Schmach müssen wir erleiden, aus Liebe zu Gott und zur Rettung der Seelen.
Und da ist der Beweis. Der durchaus Reine wurde seiner Kleider beraubt und die Unreinen verhöhnten Ihn in seiner Reinheit. Und Unser Herr widerstand dem Spott der Unreinheit.
Scheint es nicht unbedeutsam, dem Hohn zu widerstehen, wer doch schon so vielen Martern widerstanden hat? Dennoch war auch diese Lehre noch nötig. Wegen der Verachtung einer Magd hat Petrus seinen Herrn verleugnet. Wie viele Menschen werden Christus verlassen haben aus Furcht vor Lächerlichkeit. Denn wenn es Menschen gibt, die in den Krieg gehen und sich Schüssen und dem Tod aussetzen, nur um nicht als Feiglinge verspottet zu werden, ist es nicht wahr, dass gewisse Menschen mehr Angst vor einem Lächeln haben als vor allem anderen?
Der göttliche Meister trotzte dem Spott. Damit lehrte Er uns, dass es nichts Lächerliches gibt, wenn man auf dem Pfade der Tugend und des Guten ist.
Lehre mich, o Herr, die Majestät Deines Antlitzes widerzuspiegeln und die Kraft Deiner Standhaftigkeit, wenn die Bösen gegen mich die Waffe des Spottes gebrauchen wollen.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.

11. Station
Jesus wird ans Kreuz genagelt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

DIE BOSHEIT wählte für Dich, mein Herr, als letzte die grausamste Pein. Ja, die grausamste, denn sie führte zu einem langsamen Tod, sie verursachte die größten Schmerzen und war die schändlichste, denn sie war den niederträchtigsten Verbrechern vorbehalten.
Alles wurde von der Hölle bestellt, um Dir die größten und schlimmsten Schmerzen an Leib und Seele zuzufügen. Beinhaltet dieser tiefgründige Hass nicht eine Lehre für mich? Wehe mir, der ich sie nie ganz begreifen werde, wenn ich nicht nach Heiligkeit strebe. Zwischen Dir und dem Teufel, zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Irrtum besteht ein tiefer, unversöhnlicher, ewiger Hass. Die Finsternis hasst das Licht, die Söhne der Finsternis hassen die Söhne des Lichtes; der gegenseitige Kampf wird andauern bis zur Vollendung der Tage, und es wird nie Frieden sein zwischen der Nachkommenschaft der Frau und der Nachkommenschaft der Schlange... Um die unermessliche Breite, die Größe dieses Hasses zu verstehen, betrachte man alles, was er zu tun wagte. Es ist der Sohn Gottes, der da hängt, verwandelt in einen Aussätzigen, wie es in der Heiligen Schrift heißt, an dem nichts Heiles ist, in ein Wesen, das sich krümmt unter den Schmerzen wie ein Wurm, verabscheut, verlassen, an ein Kreuz genagelt zwischen zwei gemeinen Verbrechern. Der Sohn Gottes: Welch unendliche, unvorstellbare, erhabene Größe enthalten diese Worte! Doch siehe, was der Hass gegen den Sohn Gottes zu verüben wagte!
Und die ganze Weltgeschichte, die ganze Kirchengeschichte ist nichts anderes als dieser unerbittliche Kampf zwischen denen, die Gottes sind, und denen, die des Teufels sind, zwischen denen, die der Jungfrau gehören, und denen, die der Schlange gehören. Ein Kampf, in dem es nicht nur Missverständnisse gibt, nicht nur Schwäche, sondern auch Bosheit, absichtliche, verschuldete, sündhafte Bosheit von Seiten der Scharen der Menschen und bösen Geister, die dem Satan folgen.
Dies ist es, was gesagt, bekräftigt, ausgerufen und woran immer wieder am Fuße des Kreuzes erinnert werden muss. Denn wir sind, vom Liberalismus dermaßen verunstaltet, immer dazu geneigt, diesen unentbehrlichen Aspekt des Leidens unseres Herrn zu vergessen.
Doch die Jungfrau der Jungfrauen, die schmerzhafte Mutter, die an der Seite ihres Sohnes an seinem Leiden teilnahm, sie wusste um diese Tatsache. Ebenfalls wusste es der jungfräuliche Apostel, dem unter dem Kreuze Maria als Mutter gegeben wurde und der damit das größte Vermächtnis erhielt, dass jemals einem Menschen gegeben wurde. Denn es gibt gewisse Wahrheiten, die Gott den Reinen bereithält und den Unreinen verweigert.
O meine Mutter, in dem Augenblick, in dem sogar ein Schächer Verzeihung verdient hat, bitte Jesus, Er möge mir all meine Blindheit verzeihen, durch die ich die Verschwörung des Bösen um mich herum nicht zur Kenntnis nahm.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.



12. Station
Jesus stirbt am Kreuz

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

Nun kam schließlich der Gipfel aller Schmerzen. Ein so hoher Gipfel, dass er sich in den Wolken des Geheimnisvollen verhüllt.
Die physischen Leiden haben ihre Grenzen erreicht, die moralischen Leiden ihren Höhepunkt.
Doch eine weitere Qual sollte den Schmerz noch darüber hinaus führen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Auf eine gewisse geheimnisvolle Weise wurde selbst das fleischgewordene Wort von der Qual der Verlassenheit befallen, bei der die Seele keinen göttlichen Trost erfährt. Und so groß war diese Pein, dass Er, von dem die Evangelisten kein einziges Wort der Klage zu berichten wussten, diesen herzzerreißenden Ruf von sich gab: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Ja, warum? Warum, da Er doch die Unschuld selbst war?
Eine schreckliche Verlassenheit, gefolgt von dem Tod und einem Aufbäumen der ganzen Natur. Die Sonne verbarg sich. Der Himmel verlor seinen Glanz. Die Erde bebte. Der Vorhang des Tempels riss entzwei, eine Trostlosigkeit breitete sich im ganzen Universum aus.
Warum? Um den Menschen zu erlösen. Um die Sünde zu vernichten. Um die Pforten des Himmels zu öffnen.
Der Gipfel des Leidens war zugleich der Gipfel des Sieges. Der Tod war tot! Die gereinigte Erde war wie ein freigelegtes Land, auf dem die Kirche nun erbaut werden konnte.
Dies alles geschah, um zu erlösen. Um Menschen zu erlösen. Um diesen Menschen, der ich selbst bin, zu retten. Meine Erlösung kostete diesen hohen Preis. Ich werde kein Opfer mehr scheuen, um diese so kostbare Erlösung zu sichern.
Durch das Wasser und das Blut, die aus Deiner göttlichen Seite flossen, durch die Wunde in Deinem heiligsten Herzen, durch die Schmerzen Deiner Mutter, gib mir, o Jesus, die Kraft, mich von Personen und Dingen zu trennen, die mich von Dir entfernen können. Jede Freundschaft, jede Leidenschaft, jede Bestrebung, jeder Genuss, alles was mich von Dir trennte, soll heute sterben, ans Kreuz geschlagen werden.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.

13. Station
Jesus wird vom Kreuze abgenommen und in den Schoß seiner heiligen Mutter gelegt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

DIE RUHE des Grabes erwartet Dich, o Herr. In den Schatten des Todes öffnest Du den Himmel den Gerechten, während auf Erden einige wenige Gläubige sich um Deine Mutter versammeln, um Dir die Ehrungen des Begräbnisses zu erweisen.
In der Stille dieser Stunde vernimmt man die ersten Strahlen einer aufgehenden Hoffnung. Diese ersten Ehrerbietungen, die Dir zuteil werden, sind der Anfang einer unendlichen Folge von Liebeszeichen der erlösten Menschheit, die sie Dir bis ans Ende der Zeiten darbringen wird.
Hier zeigt sich uns ein Bild der Schmerzen, der Trostlosigkeit, aber doch voller Frieden. Ein Bild, das etwas Siegreiches voraussagt, wenn man die Sorge und Liebe betrachtet, mit der Dein heiliger Leichnam behandelt wird.
Ja, diese frommen Seelen hatten Mitleid mit Dir, und doch ließ sie etwas den glorreichen Sieger in Dir vorausahnen.
Möge auch ich, o mein Herr, in der trostlosesten Lage, in der sich die Kirche auch befinden mag, ihr immer treu bleiben, sie auch in ihren traurigsten Stunden nicht verlassen, mit der unverwüstlichen Gewissheit, dass Deine heilige Braut einst siegen wird durch die Treue der Guten, da sie ja Deinen Schutz erfährt.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mögen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.

14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt

V. Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich,
A. Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die ganze Welt erlöst.

EIN STEIN verschließt das Grab. Nun scheint alles zu Ende.
Aber nein. Es ist der Augenblick, in dem alles seinen Anfang nimmt. Die Apostel versammeln sich wieder. Die Hingabe und die Hoffnung flackern wieder auf. Das Osterfest naht.
Zugleich aber umkreist der Hass der Feinde das Grab, Maria und die Apostel. Aber sie fürchten sich nicht. Bald wird der Morgen der Auferstehung glänzen.
Möge auch ich, Herr, mich nicht fürchten. Mich nicht fürchten, wenn alles unwiderruflich verloren scheint. Mich nicht fürchten, wenn alle Mächte der Welt in den Händen Deiner Feinde zu liegen scheinen. Mich nicht fürchten, weil ich bei Maria bin, bei der sich immer und immer wieder die treuen Kinder Deiner Kirche für neue Siege versammeln werden.

Vater unser... Gegrüßet seist Du, Maria... Ehre sei dem Vater...
V. Erbarme Dich unser, o Herr
A. Erbarme Dich unser
V. Die Seelen der verstorbenen Christgläubigen mõgen durch die Barmherzigkeit Gottes ruhen in Frieden.
R. Amen.

Schlussgebet

O mein Jesus, Mann der Schmerzen, in Deiner Seele und an Deinem Leib hast Du alles erlitten, was ein Mensch nur leiden kann.
Ich betrachte Deinen vom Kreuz herabgeholten Leichnam, Deine Menschheit, dem Aussehen nach vernichtet, und Dein unendlich kostbares Blut, das bis zum letzten Tropfen während Deines Leidensweges vergossen wurde.
Für alle Zeiten wirst Du nun in unseren Seelen der Inbegriff von Schmerz sein: Von Schmerz mit allem, was er an Würde, Stärke, Ernsthaftigkeit, Süßigkeit und Erhabenheit beinhaltet; Schmerz, der von der Ebene der philosophischen Betrachtung zum unendlich hohen Firmament des Glaubens erhoben wurde; Schmerz in seiner theologischen Bedeutung als notwendige Sühne und unerlässliches Mittel unserer Heiligung.
Durch die Verdienste Deines kostbarsten Blutes gib unserem Verstand die notwendige Klarheit, den Sinn des Schmerzes zu begreifen, und unserem Willen die Kraft ihn mit aller Aufrichtigkeit unserer Seele zu lieben.
Denn nur durch das Verständnis der großen Rolle des Schmerzes und des Geheimnisses des Kreuzes wird die Menschheit aus der furchtbaren Krise, in die sie gefallen ist, herauskommen und diejenigen von der ewigen Pein bewahren, die bis zuletzt Deine Einladung abgelehnt haben, mit Dir den Schmerzensweg zu gehen.
Heiligste Maria, Mutter der Schmerzen, erlange durch Deine Gebete, dass Gott auf Erden die Zahl derer vermehrt, die das Kreuz wahrhaftig lieben.
Dies ist die Gnade, um die wir in dieser Abenddämmerung unserer armen und so zerrütteten Zivilisation bitten. Amen.

Plinio Corrêa de Oliveira * 1908 - † 1995
Sein Leben
„Noch sehr jung betrachtete ich begeistert die Ruinen der Christenheit; ihnen schenkte ich mein Herz, kehrte meiner Zukunft den Rücken und gestaltete aus jener segensträchtigen Vergangenheit meinen Lebensweg.“