Dienstag, 29. August 2017

Eine Lehre aus dem Wirken des hl. Augustinus


Ich möchte gerne noch etwas schönes über den hl. Augustinus darlegen. Es ist folgendes: Der Geist, mit dem dieser Mann seine Werke schrieb. Er schrieb seine Bücher, als das weströmische Reich bereits zusammenbrach und alles so aussah, dass mit dem Ansturm der Barbaren die katholische Religion komplett dahingefegt würde. Er war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Diese Region wurde dermaßen zerstört, dass bis heute der Katholizismus sich nicht wieder von den damaligen Verwüstungen erholt hat. Trotzdem schrieb er seine Werke in aller Ruhe für eine Zukunft, die er selbst nicht ausmachen konnte.
Als er im Sterben lag, brachen die Barbaren in Hippo ein. Übrigens gaben sie seinem Leichnam noch eine besondere Ehrerweisung.
Die damalige Welt brach zusammen und es kam das Mittelalter. Seine Werke inspirierten die mittelalterliche Vorstellung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er wurde zu einem allgemeinen Lehrer des Mittelalters.

Was war dafür notwendig gewesen? Der Glaube an Gott. Gott will, dass er schreibt und er schreibt umfangreiche Werke, sicher nicht für die Barbaren, die Hippo belagerten, sondern für dann, wann es Gott gefällt. Er hat das Werk vollendet ohne zu wissen, wann es jemals gelehrt würde.

Und als Gott Jahrhunderte später das Mittelalter einleitete, war es wie eine Lilie, die aus dieser Wurzel, die Werke des Augustinus, hervorging, insbesondere „Die Stadt Gottes“. Dies ist für uns, die wir in einem neuen Zeitalter von Barbaren leben – nicht aber von Barbaren, die mit Keulen und Lanzen daherreiten, sondern mit Atombomben - , eine hoffnungsvolle Meditation. Vollbringen wir unser Werk mit Vertrauen, mit Gewissheit und Glauben, und es wird irgendwann von Nutzen sein. Nie darf uns der Gedanke kommen, dass das, was wir tun können, nicht von äußerster Nützlichkeit sei. Wenn nicht für heute, dann für eine Zukunft, die in den Plänen Gottes steht.


Montag, 28. August 2017

Der hl. Augustinus (28. Ausgust)



Eine Lektüre, die ich jedem empfehlen kann, sind die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus (354-430). Es ist eine Lektüre, die in ihren strikten biographischen Aspekten, unter allen Gesichtspunkten, etwas wunderbares ist.
Es ist vor allem eine Erbauungslektüre: die Psychologie der Bekehrung, wenn er beschreibt, wie er selbst sich bekehrte, alle seine Sünden, alle Irrtümer, alle Abgründe, in denen er gefallen ist, der Hochmut, der sich zerbrach, nachdem er gesehen hatte, zu was er alles fähig war; sein erster Kontakt mit dem hl. Ambrosius (340-430), Bischof von Mailand, die ersten Prinzipien, die ersten Lichter der Idee einer Religion, die allmählich durch die Anwesenheit des hl. Ambrosius in seine Gedanken eindrangen, als er noch nicht katholisch war.

Er hatte eine so große Begeisterung für den hl. Ambrosius, dass er ihn in seinem Haus aufsuchte, um sich mit ihm zu unterhalten. Doch Ambrosius, der die modernen Techniken des Apostolats nich kannte, trotzdem ein großer Apostel war, lies dem Augustinus sagen, dass er keine Zeit für ihn hatte, da er wichtiges zu schreiben hatte, und fuhr mit seinem Schreiben fort. Augustinus setzte sich in der Nähe und schaute dem großen Schreiber mit Begeisterung zu.
Ambrosius wusste, dass er durch das Apostolat der Anwesenheit viel mehr erreichen würde als durch das Apostolat des Wortes. Dem einen schrieb er, dem anderen erstrahlte er; bekehrte diejenigen, denen er schrieb und bekehrte den, dem er erlaubte ihm zuzuschauen. Wie gerne würde ich diese Szene durch eine Luke betrachten! Ambrosius, der große Kirchenlehrer, in einem Follianten schreibend, mit dem Antlitz eines ehwürdigen Alten, gelassen, erleuchtet durch die Gnade Gottes, weise, in sich gekehrt, erhaben in seinen Urteilen, ab und zu das Schreiben unterbrechend, um ein Stoßgebet zu verrichten, etwas nachdenklich bevor er eine Schlussfolgerung formuliert, und vor ihm Augustinus, der in seinem Gesicht noch die krampfartigen Züge einer Krise, die er gerade durchmachte. Doch Gottes Gnade wirkte in Augustinus und bearbeitete sein Inneres durch der Bewunderung des hl. Ambrosius.
Dann die bekannte Bekehrung des Augustinus, in der die Kirchenmusik eine große Rolle gespielt hat. Er erzählt, dass, wenn er in eine Kirche ging und dort die sakrale Musik hörte, das Singen der Psalmen, er eine Gewalt, das Tosen seiner Reue und den Ruhm Gottes verspührte, das fast einer Verzückung gleichkam.
Und dann beschreibt er die bekannte Gewissenskrise und die Szene seiner Bekehrung. Er hört eine Stimme, die ihm sagt: tolle, lege; nimm und lies! Er nimmt das Buch, das da liegt, es ist die Heilige Schrift. Er liest sie und seine Bekehrung ist beschlossen.
Weiter beschreibt er seine bekannte Unterhaltung mit seiner Mutter, der hl. Monika (331-387) in Ostia. Monika war eine extrem gütige Person, eine Heilige und er, ein sehr schlechter Sohn. Es kam einmal zu einer schmerzlichen Szene. Er wollte nach Rom (er wohnte in Afrika) und seine Mutter wollte mit ihm reisen. Er ist vor seiner Mutter geflüchtet und fuhr allein nach Rom. Sie blieb zurück, betete und weinte viel um die Bekehrung ihres Sohnes. Irgendwann ist sie ihm nachgefahren und besuchte dann den Bischof von Mailand, den hl. Ambrosius, und fragte ihn, ob er meine, dass sich ihr Sohn bekehren würde. Er antwortete: "Frau, ich habe nicht viel Zeit, um mit dir zu sprechen, doch eines will ich dir sagen: Gott kann einem Sohn so vieler Tränen nicht widerstehen." Das heisst, es sollte eine neue Geburt des Sohnes sein, diesmal aber aus tiefer Trauer, Schmerz und Tränen.

Man kann sich ihre Freude vorstellen, als sie, gegen aller Erwartung, sieht, dass sich ihr verlorener Sohn bekehrt. Sie wollen beide nach Afrika zurück, um wieder in Karthago zu wohnen. Sie erreichten die Hafenstadt Ostia, wo sie sich einquartieren. Am Abend, setzen sie sich am Fenster der Herberge und unterhalten sich. Augustinus erzählt, dass sie über den Himmel sprachen. Man kann sich vorstellen, wie dieses Gespräch sich entwickelte, eine heilige Mutter, ein heiliger Sohn. Beide gerieten in einer Art Verzückung. Augustinus erzählt, dass diese Verzückung für ihn ein Licht war, das ihn Mut gab, alle Kämpfe des Lebens zu durchstehen. Für die Mutter, war es ein Vorfreude des Himmels, da sie kurz darauf noch in Ostia gestorben ist. Er wohnt noch dem Begräbnis der Mutter bei und fährt zurück nach Afrika, wo er später (395) Bischof von Hippo wird.
In Hippo schrieb er unter anderem sein bekanntes Buch "Die Stadt Gottes", in dem er sozusagen das Prinzip, die Grundlage der Doktrin von Revolution und Gegenrevolution darstellt. Das Prinzip, welches er dort beschreibt, ist, dass es auf der Welt nur zwei Kräfte gibt, nur zwei vitale Prinzipien, nur zwei aktive Elemente, nur zwei Ordnungen, oder, wie er sagt, nur zwei Staaten (die civitas, die er beschreibt, ist der Staat und nicht die Stadt, wie man gewöhnlich meint): es sind Gott und der Teufel, die sich in einem ewigen, vollständigen und unversöhnlichen Kampf befinden.
Es ist der Gedanke, dass alle Ereignisse in der Welt einzig und allein auf einen Kampf zwischen Gut und Böse zurückgehen, zwischen katholischer Kirche und der Macht der Finsternis, zwischen denen, die in der Kirche das Gute vertreten und der Macht der Finsternis. Dieser Kampf, dieser zwei entgegengesetzten Prinzipien gehe aus zwei Arten der Liebe hervor, und die Opposition dieser zweier Lieben sei die Quelle des gegenseitigen Hasses. Und die Quelle dieser Liebe und des Hasses sei, in der Stadt Gottes, die Liebe Gottes bis hin zum Vergessen seiner selbst, und in der Stadt des Teufels, die Eigenliebe bis hin zur Gottvergessenheit. Das heißt, des Egoismus in der einen und der Suche nach dem Absoluten in der anderen.


Das nur an sich selbst denken, an die eigenen Interessen, an sein Wohlbefinden, an Kleinigkeiten, sich als kleines Zentrum den Universums zu halten, ein Egoismus, der nur auf die eigene Befriedigung eingestellt ist, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der bösen Geisteshaltung und alles weitere.
Die Stadt Gottes besteht in nicht an sich denken, sich ausschließlich an die überirdische Realität ausrichten, auf die die Offenbarung uns hinweist. Einen metaphysischen Geist pflegen, einen religiösen Geist, der den höheren Dingen zuwendet und die Seele für die Annahme der unschätzbaren Gabe des katholischen Glaubens vorbereitet. Das heißt, nur für Gott leben.
Diese zwei Prinzipien stehen in einer kompletten Opposition und die Weltgeschichte entwickelt sich im gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.
Jemand könnte einwenden, die sei eine radikale, kompromisslose Auffassung der Realität. Ja, und das ist sie auch. Der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, alles was Gott geschaffen hat, ist gut, weil er nicht Falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft hat er gesetzt und diese ist gut, weil er nur Gutes tun kann: Es ist die Feindschaft zwischen Guten und Bösen, zwischen den Kinder des Lichtes und den Kindern der Finsternis, zwischen der Muttergottes und der Schlange.
Es gibt da etwas sehr schönes über den hl. Augustinus: Der Geist, mit dem er seine Bücher schrieb und füllte. Er schrieb sie zu der Zeit, als das Römische Reich des Westens zusammenfiel. Alles führte dahin anzunehmen, dass mit dem Einfall der Barbaren im Westen die katholische Religion weggefegt würde. Augustinus war Bischof von Hippo im Norden Afrikas. Dort haben die Barbaren dermaßen gewütet, dass der Katholizismus bis heute nicht wieder etablieren konnte. Trotzdem schrieb er seine Bücher in aller Ruhe, für eine Zukunft, die er nicht kannte.

Als er starb, waren die Horden in die Stadt eingedrungen. So berühmt war Augustinus, dass die Eindringlinge seinem Leichnam noch die letzte Ehre erwiesen. Die Welt zerbrach und es kam das Mittealter. Seine Werke waren die Grundlage für die mittelalterliche Auffassung des Staates, des Reiches und der Kirche. Er ist ein Kirchenlehrer des Mittelalters.
Man sieht, was notwendig war an Gottesglauben und Gottvertrauen. Gott will, dass er schreibt und er schreibt ein umfangreiches Werk, nicht für die Vandalen, die Hippo erstürmten, sondern für wann es Gott will. Seine Werke liegen da, fertig.
Und als es Gott gefiel, Jahrhunderte nach seinem Tod, kam das Mittelalter, wie eine Lilien erwachsen aus dieser Wurzel, insbesondere "die Stadt Gottes". Dies soll für uns eine Ermutigung sein. Vollbringen wir mit Vertrauen und festem Glauben unser Werk, denn es wird für irgendwann nützlich sein. Niemals dürfen wir meinen, dass das, was wir tun, nicht von einer großen Nützlichkeit sei.

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 28. August ?. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Sonntag, 27. August 2017

Der Kampf zwischen Gut und Böse


Das Nur-an-sich-selbst-denken, an die eigenen Interessen, Genüssen, Wohlgefühle, an die Kleinigkeiten des Alltags, sich selbst als das kleine Zentrum des Universums zu betrachten, den Egoismus gänzlich auf die eigenen Zufriedenheiten gerichtet, das ist der Ausgangspunkt der Stadt des Teufels, der schlechten Geistesgesinnung und alles Weitere.

Das Fundament der „Stadt Gottes“ besteht aus Nicht-an-sich-denken, sich ganz den von der Offenbarung hingewiesenen überirdischen Wirklichkeiten zuzuwenden, einen sogenannten metaphysischen Geist, einen religiösen Geist besitzen, der sich den höheren Dingen zuwendet und die Bedingungen herstellt, damit die Seele die unschätzbare Gabe des katholischen Glaubens empfangen kann. Das ist wirklich, für Gott leben.

Diese zwei Prinzipien stehen sich in einer vollständigen Opposition gegenüber, und die Weltgeschichte ergibt sich aus dem gegenseitigen Kampf dieser beiden Prinzipien.

Es könnte jemand einwenden, dass diese Anschauung zu unnachgiebig, zu kompromisslos ist. Ich antworte: Ja, sie ist es! Der hl. Ludwig von Montfort sagte, dass alles, was Gott erschaffen hat, gut ist, weil Gott nichts falsches tun kann. Nur eine einzige Feindschaft schuf er, und diese ist perfekt, weil Er alles perfekt macht. Die Feindschaft, die Er stiftete, ist diejenige zwischen den Guten und den Bösen, zwischen den Kindern des Lichts und den Kindern der Finsternis, zwischen Maria und der Schlange.

Dienstag, 15. August 2017

Mariä Himmelfahrt

Plinio Corrêa de Oliveira


Wir haben einen Bericht über Mariä Himmelfahrt, wie es die sel. Seherin Anna Katharina Emmerick beschrieben hat.
„In der Nacht nach der Beisetzung Marias geschah die Himmelfahrt der Jungfrau mit ihrem Leib. Ich sah mehrere Apostel und heilige Frauen in dem Gärtchen vor dem Grabfelsen beten und singen. Es senkte sich aber eine breite Lichtbahn vom Himmel zu dem Felsen, und ich sah in ihr eine Glorie von drei Kreisen. Von Engeln und Geistern sich niederbewegen, welche die Erscheinung unseres Herren und der leuchtenden Seele Marias umgaben. So wie bei Unserem Herrn war auch ihre Seele drei Tage vom Leibe getrennt.“
Sie sehen, dass ihre Seele einige Zeit vom Leib getrennt war. Dann kam sie zum Leib zurück geführt von Engeln und Geistern.
„Die Erscheinung Jesu Christi mit hellstrahlenden Wundmalen schwebte vor ihr her“.
Das heißt die zweite Person der Dreifaltigkeit wollte persönlich hernieder kommen um der Auferstehung Marias vorzustehen.
„Im innersten Kreis der Glorie wo die Seele Marias war, sah man drei Engelchöre.“
Die drei Chöre der Engel bildeten einen Strahlenkranz, in dessen Mitte die heiligste Seele der Muttergottes war.
„Um die Seele Marias sah ich im innersten Kreis der Glorie nur kleine Kindergestalten, im zweiten Kreis erschienen sie wir von sechsjährigen Kindern und im äußersten gleich erwachsenen Jünglingen.“
Wahrscheinlich um die sich folgenden Grade der Spiritualität zu symbolisieren. Kinder sind das Bild der Reinheit und so wies die Erscheinung auf die höchste und edelste Form von Spiritualität hin.
„Nur die Angesichter erkannte ich deutlich, alles Übrige sah ich nur wie schimmernde Lichtgestalten. Als diese Erscheinung, immer deutlicher werdend, sich bis auf den Felsen ergossen hatte, sah ich von ihr bis hinauf in das himmlische Jerusalem eine leuchtende Bahneröffnet. Nun aber sah ich die Seele der heiligen Jungfrau, welche der Erscheinug Jesu folgte, bei dieser vorüber durch den Felsen in das Grab niederschweben und bald darauf, mit ihrem verklärten leib vereinigt. Viel deutlicher und leuchtender aus demselben heraussteigen und mit dem Herrn und der ganzen Glorie in das himmlische Jerusalem hinaufziehen, worauf aller Glanz wieder einsank und der stille Sternenhimmel die Gegend bedeckte.“
„Vier Tage später sah ich die Apostel am Abend noch im Gebet und Trauer in ihrem Raume. Da sah ich den Apostel Thomas mit einem Begleiter vor dem Tor des Hofes anlangen und pochen.“
„Nun aber verlangte Thomas und der Begleiter nach dem Grabe der heiligen Jungfrau. Bei dem Grabe angekommen, warfen sie sich auf die Knie nieder. Thomas aber eilte zuerst nach dem Eingang der Höhle. Johannes folgte ihm. — Dann nahte sich Johannes dem leichten Korbsarge, löste die drei großen Binden auf, welche den Deckel umschlossen, und stellte diesen zur Seite, nun leuchteten sie in den Sarg uns sagen mit tiefer Erschütterung die Grabtücher des heiligen Leibes in der ganzen Form der Einhüllung leer vor sich liegen. Über dem Angesicht und der Brust waren sie auseinandergeschlagen, die Umwindungen der Arme lagen leicht aufgelöst, doch noch in gewickelter Form, wie sie gelegen, aber der verklärte Leib Marias war nicht mehr auf der Erde. Sie blickten mit aufgehobenen Armen staunend empor, als sei der heilige Leib ihnen jetzt erst entschwunden und Johannes rief zu der Höhle hinaus: Kommt und staunt, sie ist nicht mehr hier!

Es ist interessant die Ordnung zu bemerken, in der die Grabtücher gelegen waren. Warum kann man diese Einzelheit für wichtig halten? Gott liebt nämlich dermaßen das Gute, er liebt die Welt, die er erschaffen hat, und er will, dass die gute Ordnung über alle Dinge herrscht. Alles, was von ihm oder durch die Eingabe seiner Gnade gemacht wurde, ordnet sich auf eine richtige und angebrachte Weise an. Es gibt eine Art Bündnis des Metaphysischen mit dem Übernatürlichen. Das Übernatürliche vervollständigt was metaphysisch gut zusammengeführt, metaphysisch gut aufgestellt ist, und deshalb stellen alle Einflüsse der Gnade die Ordnung in der Natur her. Es ist das Gegenteil der Auswirkungen des Teufels.
Immer wenn es dem Teufel gestattet wird zu erscheinen oder die Seelen zu beeinflussen, kennzeichnet sich dieser Einfluss durch fürchterliche Verwirrungen, Aufwühlungen; wenn er eine Person heimsucht äußert er sich durch Zuckungen und groteske Gesten; in einer Wohnung verursacht er Geräusche und Radau, verschiebt Möbel, sorgt nur für Unordnung. 
Da verstehen wir, dass alle Bereiche der Ordnung und alle Aspekte der Ordnung unter sich solidarisch sind, sie gehören untrennbar zusammen. Aber auch alle Bereiche und Aspekte der Unordnung sind zusammengehörig unter sich. So verstehen wir die Einheit der Revolution und die Einheit der Gegenrevolution.
Die Revolution kann nicht als eine nur politische Bewegung oder als eine nur religiöse oder nur kulturelle Bewegung angesehen werden, sie ist die Tendenz zur Subversion und zur Unordnung in allem. So auch die Gegenrevolution: Sie ist nicht nur eine politische, religiöse oder kulturelle Bewegung. Um vollständig zu sein, muss sie einen Geist besitzen, sie muss von einer Gnade belebt werden, die alles in Ordnung versetzen will. Hier sehen wir wie eine kleine Einzelheit uns Gelegenheit gibt über das Zusammenwirken aller Formen der Ordnung, wie auch der Unordnung nachzudenken.
Weiter der Text von Anna Katharina Emmerick.
 „Da traten sie alle paarweise in die Höhle und sahen mit staunen die leeren Grabtücher vor sich liegen, und hinausgetreten, knieten alle zur Erde, sahen die Arme gen Himmel hebend empor, weinten und beteten, priesen den Herrn und seine liebe verklärte Mutter. — Da erinnerten sie sich wohl und gedachten jener Lichtwolke, welch sie gleich nach der Begrabung auf dem Heimweg aus der Ferne gesehen, wie sie auf den Grabhügel niedergesunken und dann wieder emporgeschwebt war.“
„Johannes aber nahm die Grabtücher der heiligen Jungfrau mit großer Ehrfurcht aus dem Sargkorbe, faltete und rollte sie ordentlich zusammen und nahm sie zu sich. Betend und Psalmen singend, wandelten sie auf dem Kreuzwege zu dem Hause. Hier gingen alle in den Wohnraum Mariä. Johannes legte hier die Grabtücher ehrerbietig auf das Tischchen vor dem Betwinkel der heiligen Jungfrau. Thomas und die anderen beteten noch auf der Stelle, wo sie gestorben. — Petrus zog sich abgesondert zurück; vielleicht bereitete er sich vor, um einen  feierlichen Gottesdienst zu halten.“
Er ist der Fürst der Apostel, so dass es ihm zukam die erste Messe der Aufnahme Mariens in den Himmel zu zelebrieren.
„Hierauf sah ich den Altar vor dem Betort Mariä, wo deren Kreuz stand, aufrichten…“
Das Kreuz, vor dem die Muttergottes gewöhnlich betete.
„... und Petrus einen feierlichen Gottesdienst hier halten. Die übrigen Apostel standen reihenweise hinter ihm und beteten und sangen wechselseitig. Die heiligen Frauen standen mehr zurück an de Türen und an der Rückseite der Feuerstelle. Der einfältige Knecht  des Thomas war ihm aus dem fernen Lande, wo er zuletzt gewesen war gefolgt. Er hatte ein ganz fremdes Aussehen. Er hatte kleine Augen, eine eingedrückte Stirne und Nase und hohe Backenknochen. Seine Farbe war bräunlicher als hierzulande. Er war getauft und außerdem aber ganz wie ein unerfahrenes, gehorsames Kind. Er tat alles, was man ihm befahl, er blieb stehen, wo man ihn hinstellte, sah hin, wo man es gebot, und lachte jedermann an. Als er Thomas weinen sah, weinte auch er bitterlich. Dieser Mansch ist immer bei Thomas geblieben, er konnte große Lasten tragen, und ich habe ihn ganz gewaltige Steine heranschleppen sehen, als Thomas eine Kapelle baute.“

Sehr schön ist dieser Treuerweis eines Knechtes, der alles tut, was sein Herr im aufträgt und auch fühlt wie sein Herr fühlte und so ganz eins mit ihm ist. Eine Vorstellung, die die Welt heute vollständig verloren hat, dieses edlen Begriffs der Treue, nach dem zwei Personen unterschiedlichen Standes sich nicht hassen, sondern sich gegenseitig schätzen. Nicht nur schätzen sie sich, aber sie verschmelzen wie zu einem Ganzen, so dass man sich fast gar nicht mehr den einen ohne den anderen vorstellen kann. Ritter und Knappe im Mittelalter befanden sich in diesem Verhältnis.
Es gibt unzählige Beispiele eines solchen Zustandes. Das schönste, was mir gerade in den Sinn kommt, war das eines Märtyrers, dessen Namen ich leider vergessen habe, der Messdiener eine Papstes war – auch dessen Namen ist mir entgangen. Als dieser Papst zum Martyrium geführt wurde, näherte sich der Messdiener und sagte: „Heiliger Vater, sie schreiten zum Martyrium und werden mich allein lassen. Kann es sein, dass sie mich in der Stunde ihres letzten Opferganges verlassen, der ich doch täglich ihnen bei der heiligen Messe diente?“ Und beide empfingen nun die Palme des Martyriums.
Welcher Adel und Schönheit von Gedanken beinhaltet solch eine Beziehung. Es zeigt uns, wie die Treue zu einer wirklichen Teilnahme an dem gleichen Ruhm führen kann, und wie die Welt heute dies alles vergessen hat.


So haben wir zwei Betrachtungen zur Aufnahme Mariens in den Himmel.

Vortrag am 14. August 1963

(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Freitag, 4. August 2017

Das Heiligste Herz Jesu: Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt



Plinio Corrêa de Oliveira

Wenn es eine Epoche gibt, in der die Hoffnung einzig und allein auf das Herz Jesu liegt, dann ist dies die unsere. Die durch die Menschen begangenen Übel lassen sich kaum überbieten. Um nur einige davon zu nennen, braucht man nur auf die Gotteslästerungen und die Zerstörung der Familie durch Abtreibung, Ehescheidung, Euthanasie, Pornographie, Homoehe und so weiter hinzuweisen.
Papst Pius XI. sagte einmal, dass die heutige Welt derart moralisch verdorben ist, dass sie schnell in ein noch tieferes geistiges Elend abstürzen könnte als jenes, das in der Zeit der Geburt Unseres Herrn herrschte.
In Anbetracht der heutzutage unaufhörlich begangenen Sünden, taucht natürlich die Idee der göttlichen Bestrafung auf. Wenn wir diese sündhafte Welt ansehen, die unter der Last von Tausenden Krisen und Bedrängnissen leidet und nichtsdestotrotz reuelos ist. Wenn wir den furchtbaren Fortschritt des die ganze Welt umfassenden Neuheidentums ins Auge fas­sen und wenn wir, andererseits, die Unent­schlossenheit, die Blindheit und die Unei­nigkeit der sogenannten Guten sehen, erfüllt uns das selbstverständlich vor den düsteren katastrophalen Perspektiven, welche die heutige Generation bedrohen, mit großer Sorge.
Die Vorstellung, dass so viele Verbrechen keine Bestrafung verdienen, dass eine so breite Apostasie Ergebnis irgendwelches intellektuellen Irr­tums sei, entspringt eher einer liberalen Mentalität.
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere, denn Gott verlässt Seine Geschöpfe nie. Ganz im Gegenteil. Er gibt ihnen die notwendigen Gnaden, damit sie den richtigen Weg ein­schlagen. Wenn sie einen anderen Weg neh­men, dann sind sie selbst schuld daran.
Dies ist das düstere Bild der heutigen Welt: einerseits haben wir eine sündhafte Zivili­sation, andererseits hebt der Schöpfer die göttliche Geißel und schwingt sie.
Gibt es nichts mehr für die Menschheit als Feuer und Schwefel? Weil wir im Anfang des neuen Millenniums sind, können wir auf eine Zukunft außer der Geißel hoffen, die durch die Heiligen Schriften für die Ver­stocktheit der letzten Tage vorausgesagt ist? Wenn Gott nur allein gemäß Seiner Gerechtigkeit handeln würde, dann gibt es keinen Zweifel, was uns erwartet.
Dennoch, da Gott nicht nur gerecht sondern auch barmherzig ist, sind die Tore der Erlösung für uns noch nicht geschlossen worden. Ein Volk, das in seiner Gottlosigkeit beharrt, hat jeden Grund, die Strenge Gottes zu erwarten. Jedoch will Er, der unendlich barmherzig ist, den Tod die­ser sündigen Generation nicht, sondern dass sie sich bekehre und am leben bleibe (Ezech18,23). Seine Gnade verfolgt also alle Menschen und lädt sie ein, ihre schlech­ten Wege zu verlassen und zur Herde des Guten Hirten zurückzukehren.
Wenn eine reuelose Menschheit jeden Grund hat, jede Katastrophe zu fürchten, hat eine reuige Menschheit jeden Grund, jede Gnade zu erwarten. Tatsächlich, damit die Barmherzigkeit Gottes auf den zerknirschten Sünder wirken kann, braucht seine Reue nicht den ganzen Weg gegangen sein. Selbst wenn er in den Tiefen der Grube sich befindet, wenn er sich aufrichtig und ernsthaft Gott zuwendet, wird er sofort Hilfe erfahren, denn Gott ignoriert auch den Sünder nie.
Der Heilige Geist sagt in der Heiligen Schrift: „Vergisst eine Frau ihren Säugling, eine Mutter den Sohn ihres Schoßes? Mögen selbst diese vergessen, ich aber verges­se dich nicht“ (Is 49,15). Das heißt, sogar in solchen äußersten Fällen, wo eine Mutter aufgibt, Gott tut es nicht. Die Barmherzigkeit Gottes nützt dem Sünder, auch wenn die göttliche Gerechtigkeit ihn auf dem Weg zum Bösen erfasst. Der moder­ne Mensch darf diese zwei grundle­genden Konzepte der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit Gottes nicht aus dem Auge verlieren: Gerechtig­keit, damit wir nicht wagen anzuneh­men, dass wir uns ohne Verdienste retten können; Barmherzigkeit, dass wir an die Rettung unserer Seele nicht verzweifeln, sobald wir die Sün­den bereuen und von neuem anfan­gen.

Gott ist Liebe. Deswegen ruft die bloße Erwähnung des heiligsten Namens Jesu Liebe herbei. Es ist die unendliche, grenzenlose Liebe, die die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit dazu brachte, Mensch zu werden. Es ist die Liebe, die in der völligen Erniedrigung eines Gottes, der zu uns als ein armes, in einem Stall geborenes Kind, ausgedrückt ist.
Es ist die Liebe, erwiesen in jenen dreißig Jahren des verborgenen Lebens in der Demut einer strengsten Armut; erwiesen in den drei harten Jahren der Evan­gelisierung, als der Menschensohn Landstraßen bereiste, Berge bestieg, Täler, Flüs­se und Seen durchquerte, Städte und Dörfer besuchte, durch Wüsten und kleine Ortschaften ging, mit Reichen und Armen redete, Liebe verstreuend und oft Undankbarkeit erntend. Es ist die Liebe, ausgedrückt im Letzten Abendmahl bei der Fußwaschung der Apostel, und die Einsetzung der heiligen Eucharistie. Es ist die Liebe, die ihn antrieb Judas, nach dem verräterischen Kus­s, als Freund anzusprechen;  auch dem herzzerreißenden Blick auf Petrus strömte unendliche Liebe aus. Liebe auch gegenüber den Beleidigungen, die er geduldig und sanftmü­tig erlitt und dem Leiden bis zum letzten Tropfen seines Blutes.

Es ist die Liebe, die den sterbenden Schächer ver­zeiht und ihm ermöglichte, den Himmel zu „stehlen“. Schließlich ist es die Liebe, die im Geschenk einer himmli­schen Mutter an eine elende Menschheit ausgedrückt ist! Jede dieser Episoden wurde von den Gelehrten sorgfältig studiert, durch Künstler wunderbar ausgedrückt, von Heiligen fromm betrachtet und vor allem unvergleichlich in der Gottesliturgie gefeiert. In ihr drückt die Kirche besonders die unendliche Liebe Unseres Herrn gegenüber den Menschen aus. Da sein Herz das Symbol der Liebe ist, feiert die Kirche die Liebe, wenn sie sein Herz verehrt.

Dienstag, 1. August 2017

Madonna del Miracolo


Unsere Liebe Frau von Miracolo
 - 20. Januar -

Plinio Corrêa de Oliveira

Im Jahre 1842 besuchte ein 28-jähriger französischer Jude namens Alphonse Ratisbonne Rom. Er war der jüngste Sohn einer bedeutenden Bankiersfamilie in Straßburg, die enge Beziehungen zu den Rothschilds hatte. Wie es oft bei europäischen Juden geschieht, nimmt eine Familie den Namen einer Stadt an. Der französische Ratisbonne stammte aus Ratisbona, dem lateinischen Namen von Regensburg, einer berühmten deutschen Stadt in Bayern. Alphonse war ein Jude von Rasse und Religion, virulent anti-katholisch und führte einen sittlich zügelloses Leben.

Er machte gerade eine Tour durch Europa und den Osten vor der Vermählung mit seiner Cousine Flore und vor Beginn einer Partnerschaft bei der Bank seines Onkels. Durch Zufall landete er in Rom statt in Palermo, wie er beabsichtigt hatte. Er wurde vom dortigen Französischen diplomatischen Kreis freundlich empfangen. Widerwillig machte er einen Anruf an Baron Theodore de Bussières, ein sehr eifriger Katholik. Wenn auch Ratisbonne ziemlich weit entfernt von einer Bekehrung war, sah der Baron, unbeirrt von dessen Sarkasmus und Gotteslästerungen, in ihm einen zukünftigen Katholiken und ermutigte seine Besuche.

Eines Nachmittags, während eines lebhaften Gesprächs, in dem Ratisbonne den Aberglauben der katholischen Religion lächerlich machte, forderte der Baron ihn auf, sich einem einfachen Test zu unterwerfen und die Wundertätige Medaille zu tragen. Erschrocken, aber um die Unwirksamkeit solchen religiösen Tands zu beweisen, stimmte Ratisbonne zu und erlaubte der jungen Tochter des Barons, die Medaille um seinen Hals zu legen. Baron de Bussières bestand auch darauf, dass Ratisbonne jeden Tag einmal das Memorare beten sollte. Ratisbonne versprach es und sagte: „Wenn es mir nicht gut tut, schaden wird es mir wenigstens auch nicht“.

Der Baron und ein enger Kreis der aristokratischen Freunde vermehrten ihre Gebete für den skeptischen Juden. Bemerkenswert unter ihnen war ein frommer Katholik, der ernsthaft krank war, Graf Laferronays, der sein Leben für die Bekehrung des jungen Juden angeboten hat. Am selben Tag ging er in eine Kirche und betete mehr als 20 Memorare für dieses Anliegen. Kurz darauf erlitt er einen Herzinfarkt, bekam noch die letzten Sakramente und starb.

Am nächsten Tag war sein Freund Baron de Bussières auf dem Weg, um die Beerdigung des Grafen in der Basilika St. Andrea delle Fratte zu vereinbaren, als er Ratisbonne traf. Er bat ihn, ihn zu begleiten und in der Kirche zu warten, bis er einige Sachen mit dem Priester in der Sakristei besprochen hatte.

Ratisbonne begleitete seinen Freund nicht in die Sakristei. Er wandelte durch die Kirche und bewunderte den schönen Marmor und verschiedene Kunstwerke. Als er vor einem Seitenaltar stand, der dem Heiligen Erzengel Michael gewidmet war, erschien ihm plötzlich Unsere Liebe Frau. Es war der 20. Januar 1842.



Die Muttergottes erschien stehend über dem Altar, mit einer Krone und einer einfachen, langen, weißen Tunika mit einem juwelenbesetzten Gürtel um ihre Taille und einen blau-grünem Mantel, der über ihre linke Schulter drapiert war. Sie sah ihn freundlich an. Aus ihren offen ausgebreiteten Händen strömten Gnadenstrahlen herab. Ihre Haltung war sehr königlich, nicht nur wegen der Krone, die sie trug. Vielmehr verlieh ihre Größe und Eleganz den Eindruck einer hohen Dame, die sich ihrer eigenen Würde bewusst war. Sie strahlte zugleich Größe und Barmherzigkeit aus in einer Atmosphäre von großem Frieden. Sie hatte einige der Eigenschaften der Gnadenfrau der wundertätigen Medaille. Alphonse Ratisbonne sah diese Gestalt und verstand, dass er vor einer Erscheinung der Muttergottes war. Er kniete sich vor ihr nieder und bekehrte sich.

Als der Baron von der Sakristei zurückkehrte, war er überrascht, den Juden vor dem Altar des Heiligen Erzengel Michaels inbrünstig betend auf den Knien zu sehen. Er half seinem Freund aufstehen, und Ratisbonne bat sofort, um einen Beichtvater, damit er die Taufe empfangen könnte. Elf Tage später, am 31. Januar, erhielt er Taufe, Firmung und seine erste heilige Kommunion aus den Händen von Kardinal Patrizi, dem Vikar des Papstes.

Seine Bekehrung hatte enorme Auswirkungen auf die ganze Christenheit. Die gesamte katholische Welt nahm Kenntnis von ihr und war höchst beeindruckt. Später wurde Ratisbonne Jesuitenpriester. Zehn Jahre später gründeten er und sein Bruder Theodore, der sich auch aus dem Judentum bekehrt hatte, eine religiöse Gemeinde, die „Kongregation von Sion“, die sich der Bekehrung der Juden widmete.

Alphonse Ratisbonne (r) und sein Bruder Theodore
Die Bedeutung des Wunders

Kurz nach der Erscheinung, wurde ein Bild gemalt, das Unsere Liebe Frau darstellte, so wie sie, nach der Beschreibung von Fr. Ratisbonne, ihm damals in Sant 'Andrea delle Fratte erschienen war. Als das Bild fertig war, sah er es an und sagte, dass es nur sehr vage die Schönheit der Erscheinung, die er gesehen hatte, wiedergab. Das ist nicht schwer zu glauben, denn die eigentliche Schönheit Unserer Lieben Frau übertrifft notwendigerweise weit jede menschliche Darstellung. Das Bild wurde genau an der Stelle augestellt, wo sie ihm erschienen war, und wurde bekannt als „Madonna del Miracolo“, Unserer Lieben Frau vom Wunder, was sich auf das zweifache Wunder, ihre Erscheinung und die sofortige Bekehrung von Alphonse Ratisbonne, bezog.


Natürlich war diese Erscheinung von großem Vorteil für die Seele von Ratisbonne. Es war aber auch ein Vorteil für die katholische Kirche mit der Gründung der Kongregation von Sion, mit seiner besonderen Aufgabe, für die Bekehrung der Juden zu arbeiten. Dieser Orden drückt die Haltung der Kirche gegenüber den Juden sehr gut aus. Ihre Position ist nicht, die Juden zu hassen, sondern sich gegen ihre Angriffe zu verteidigen. In dem Maße wie sie die Kirche angreifen, verteidigt sie sich. Vor allem aber wünscht sie ihre Bekehrung, die Auflösung des Judentums als eine Religion und den Eintritt der Juden in die katholische Kirche, die die wahre Fortsetzung des auserwählten Volkes ist.

Aber im doktrinären und psychologischen Kontext der damaligen Zeit hatte das Ratisbonne-Wunder eine tiefere Bedeutung. Im 19. Jahrhundert förderte die Revolution stark den Rationalismus, eine Denkschule, die heute veraltet erscheint. Damit betonte die Revolution folgendes: Der rationale Mensch, der Mensch, der versucht, alles nach der Vernunft zu bestimmen, kann nicht die notwendige Unterstützung in der Vernunft finden, um zu glauben, dass Gott existiert, dass die katholische Kirche die wahre Religion ist und dass sie von Jesus Christus gegründet wurde. Damit kam die Revolution zu dem Schluss, dass die menschliche Vernunft das ganze Bauwerk der katholischen Lehre nicht akzeptieren kann.

Diese revolutionären Behauptungen waren nur Mythen, wie die römische Mythologie oder die Legenden der indigenen und afrikanischen Völker. Die meisten der rationalistischen Argumente waren Schikanen oder Sophismen, die von spitzfindigen Argumenten ausgingen. Weil aber die Revolution unermüdlich auf diesen Punkten bestand und eine Flut von Einwänden gegen die katholische Lehre vorstellte, verloren viele Menschen dieser Zeit ihren Glauben.

Um dieser unerbittlichen Welle der Angriffe gegen den katholischen Glauben entgegenzuwirken, erschien die Gottesmutter an mehreren Orten und bestätigte ihre Erscheinungen durch eklatante Wunder.


Das Wunder der Bekehrung Ratisbonne‘s in Rom, erschütterte die ganze Christenheit. In jenen Zeiten gab es nicht diesen verheerenden Ökumenismus, den wir heute erleben. Damals war die Trennung der Religionen viel gründlicher und dementsprechend war auch die Schlucht tiefer, die die Wahrheit vom Irrtum und das Gute vom Bösen trennte. Ein reicher und einflussreicher Jude, der absolut kein Grund hatte, die katholische Kirche zu begünstigen, bekehrte sich plötzlich, weil er die Muttergottes gesehen hatte. Er bezeugte seine Aufrichtigkeit, indem er seine Positionen in der Welt und sein vorteilhaftes Engagement aufgab. Er umarmte das religiöse Leben und gründete eine religiöse Gemeinde, um andere Juden zu bekehren und das Judentum zu bekämpfen. Es ist unmöglich, sich einen objektiveren Beweis für die Wahrhaftigkeit der Erscheinung vorzustellen. Diese Episode hatte enorme Auswirkungen in Italien und Frankreich und in der ganzen katholischen Welt.

Es war offensichtlich ein Wunder, ein Wunder, das vom Himmel fiel, wie ein Tropfen Wasser auf einer ausgedörrten Menschheit, die unter dem Einfluss der rationalistischen Mythen der Revolution stand.


Die göttliche Vorsehung hatte schon 1830 etwas Ähnliches mit den Erscheinungen in der Rue du Bac (Paris) an die hl. Katharina Labouré gemacht. Dort hat unter anderem die Gottesmutter der Welt die wundertätige Medaille gegeben und einen Strom von Gnaden und Wundern der Menschheit eröffnet. Die Muttergottes erschien auch 1858 in der Grotte von Lourdes, und bald darauf gab es Berichte über viele Heilungswunder für diejenigen, die im dortigen Quellwasser ein Bad nahmen. Die Wunder von Lourdes bilden die längste Reihe von Wundern, die jemals in der Geschichte der Kirche aufgetreten ist. In diese Folge von Erscheinungen reiht sich auch die der „Madonna del Miracolo“ an Alphonse Ratisbonne in Rom ein.

Diese Reihe von Erscheinungen und Wundern war der Schlag zu dem sich Unserer Lieben Frau entschied, der Revolution in dieser Zeit zu geben. Es war ein geschickter strategischer und gut berechneter Gegenangriff. Es war ihr Weg, den Kopf der Schlange zu zertreten. Der Kopf des Judentums wurde von dem öffentlichen Zeugnis eines bedeutenden Juden zerschlagen, der nun behauptete, die katholische Kirche ist die wahre Kirche.

Wir sollten also die Wunder analysieren, die die göttliche Vorsehung uns schickt, auf der Suche nach höheren Regeln, mit denen sie regiert. Wunder werden in den Zeiten häufiger, in denen sie notwendiger sind.

Das Wunder, das wir heute brauchen

Heute haben wir die Situation erreicht, wo die Aktion des Teufels mit jedem Tag deutlicher wird. Ich spreche nicht über UFOs und die Hippie-Revolution. Meiner Meinung nach ist es klar, dass diese Phänomene mit einem außernatürlichen  Einfluss verbunden sind.

Ich beziehe mich aber auf das Aussterben der Vernunft in der öffentlichen Meinung. Dass die Menschen effektiv aufgehört haben, ihre Vernunft zu benutzen — wie in den 80er und 90er Jahren — und nur noch durch temperamentale Impulse handeln, ist etwas, was man nicht erklären kann, außer durch eine besondere Aktion des Teufels. Er macht eine enorme Anstrengung, die Revolution in Gang zu halten, ungeachtet ihres Versagens, die öffentliche Meinung zu überzeugen. Da wir diese außernatürliche Handlung nicht erklären können, ist es auch schwierig, sie effizient zu bekämpfen. Sie wächst weiter und erreicht ein Ausmaß, wonach es mir scheint, dass ein außerordentliches Wunder Not tut.

Was für ein Wunder soll es sein? Welches Wunder könnte den zeitgenössischen Menschen bewegen, um zum katholischen Glauben zurückzukehren? Die geheimnisvollen Absichten Gottes sind jenseits der Erkenntnis des Menschen. Aber das hindert uns nicht daran, nachzudenken, was Er in der Vergangenheit getan hat.

Der zeitgenössische Mensch ist dermaßen hartherzig, dass er nicht einmal mehr von Wundern berührt wird, wie es Ratisbonne erlebt hat, oder von den spektakulären Wundern von Lourdes.
Der Altar auf dem die Muttergottes erschien
Vorne rechts und links die Marmorbüsten der beiden Brüder Ratisbonne

Meiner Meinung nach sind zwei Wunder notwendig:

Als erstes brauchen wir ein Wunder, das die guten Katholiken dazu bewegen würde, nicht mit der vorherrschenden Meinung des revolutionären Milieus einverstanden zu sein. Sie sollten dieser Meinung gleichgültig gegenüberstehen. Außerdem sollten sie die Offensive gegen das revolutionäre Gedankengut  ergreifen. Dies ist der erste Teil dessen, was notwendig ist. Es ist, was zu Pfingsten geschehen ist: Feuerzungen erschienen über den Aposteln, und sie verließen das Zönakel mit dem Mut, allen entgegenzutreten. Vorher waren sie ängstlich, nun aber wurden sie unbesiegbare Kämpfer.

War es etwas Innerliches oder Äußerliches, was dort stattfand? Ich weiß es nicht. Die ganze Stadt Jerusalem hörte ein gewaltiges Brausen, das aus dem Zönakel kam. Es scheint also, dass es nicht nur ein inneres Geschehen in ihren Seelen war, sondern dass ein äußeres Wunder dem entweder vorausging oder folgte. Was wirklich passiert ist, wissen wir nicht. Aber da wir heute der „Madonna del Miracolo“ gedenken, sollten wir die Muttergottes bitten, in uns ein ähnliches Wunder zu wirken, um uns in die Apostel der Endzeit zu verwandeln, wie sie vom hl. Ludwig Grignon von Montfort vorhergesagt wurden.

Zweitens. könnte dieses göttliche Eingreifen eine Strafe für die Welt sein, wegen der Annahme der Revolution und aller Zugeständnisse an sie und vor allem für die in der katholischen Kirche begangenen Sünden. Um klarer zu sein, für die Akzeptanz des Progressismus innerhalb der Kirche sogar in ihren höchsten Gipfeln.

Ich beziehe mich auf die Züchtigung, die die Muttergottes in Fatima vorausgesagt hat, in der viele Nationen verschwinden werden. Das Sonnenwunder, bei dem sie ihre Umlaufbahn verlassen und auf die Erde zu fallen schien, scheint eine kosmische Züchtigung vorauszusagen, in der das Gleichgewicht der Sonne auf Geheiß der Gottesmutter verändert werden kann. Was wäre die Konsequenz in unserem Sonnensystem, wenn die Sonne tatsächlich wanken und ihren Kurs für eine kurze Zeit ändern würde? Ein solches kosmisches Ungleichgewicht könnte alle Arten von meteorologischen Katastrophen auf der Erde hervorbringen und unzählige Dinge und Menschen zerstören.

Selbst danach werden viele der Menschen, die diese Katastrophen überleben, noch das Wunder einer Bekehrung wie die, die Ratisbonne erlebt hat, nötig haben.

Beide Perspektiven deuten auf grandiose Wunder hin, die notwendig sind, um die gegenwärtige Menschheit auf den richtigen Weg zu bringen und die Herrschaft Marias zu ermöglichen, wie sie sie in Fatima voraussagt hat.

Um auf solche Wunder vorbereitet zu sein, würde ich raten, das Memorare zu beten, das Gebet, das Ratisbonne vor seiner Bekehrung betete. Wir sollten es oft beten und die „Madonna del Miracolo“ bitten, uns diese beiden Wunder und den Sieg der Heiligen Kirche über die Revolution zu geben.

Aus einem Vortrag "Santo do Dia"
Freie Übersetzung aus dem Englischen bei TIA